Essen kommen

Essen kommen

Familientisch - Familienglück

von Jesper Juul

E-Book
Übersetzt von: Dagmar Mißfeldt
240 Seiten
2017 Beltz
ISBN 978-3-407-86501-4

18.99 EUR
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Kurztext / Annotation
Gemeinsame Mahlzeiten sind eine wertvolle Zutat nicht nur für Nähe und Harmonie in der Familie, sondern auch für die Entwicklung von Kindern. Jesper Juul zeigt, wie es gelingt, dass alle am Tisch sich wohl fühlen und warum eine gesunde, entspannte Ess- und Tischkultur die Lösung vieler Konflikte sein kann. Was ist zu tun, wenn das Kleinkind kein Gemüse und der Teenager nur Spaghetti essen will? Der berühmte Familientherapeut macht Lust auf ausgewogenes Essen zusammen mit der Familie, nicht zuletzt dank einer Auswahl praxiserprobter Rezepte aus seiner skandinavischen Heimat.

Das Markenzeichen von Jesper Juul ist sein "gelassener Optimismus" (Der Spiegel). Dass Eltern nicht perfekt sein müssen, um ihre Kinder dennoch gut zu erziehen, ist seine Botschaft. Seine Bücher sind Bestseller und wurden in viele Sprachen übersetzt.Seit über 40 Jahren arbeitet der Däne mit Familien und ist längst einer der bedeutendsten und innovativsten Familientherapeuten Europas. Seine respektvolle, gleichwürdige Art, mit Menschen umzugehen, beeindruckt Fachleute und Eltern immer wieder neu. Jesper Juul ist Gründer des familylab, das mit Elternkursen und Schulungen in Deutschland, Österreich, der Schweiz und 19 weiteren Ländern in Europa und Übersee aktiv ist. Er hat einen Sohn und zwei Enkelsöhne und lebt in Dänemark.

Textauszug

Kapitel eins
Weg mit dem Stress am Esstisch ...

Immer wieder erlebe ich es: Wir verwenden den Begriff "Stress am Esstisch" nur, wenn Kinder mit am Tisch sitzen. Ich fühle mich jedenfalls immer wieder bestätigt, wenn ich jemanden den ziemlich künstlichen Satz sagen höre: "Mein Freund und ich hatten in der letzten Woche Stress am Esstisch mit unserem Kind ..." Sind wir unter Erwachsenen, dann bekamen wir ein Abendessen serviert, erlebten eine Mahlzeit oder aßen etwas, und unsere Gesprächspartner brauchen kein pädagogisch-psychologisches Wörterbuch, um zu begreifen, wovon die Rede ist.

Im Dänischen ist die Formulierung "Stress am Esstisch" oder "Essenssituation" ein Teil der pädagogischen Terminologie; sie wurde von Pädagogen in Krippen, Kindergärten und Kindertagesstätten geprägt. Dies geschah am Ende des vorigen Jahrtausends, wahrscheinlich aus dem Bedürfnis heraus, die Verhältnisse aus einer fachlichen und analytischen Perspektive zu betrachten und pädagogische Strategien zur Vorbeugung von Konflikten und zur Bewältigung von Problemen zu entwickeln. Ungefähr zum selben Zeitpunkt begannen Normen und Werte der pädagogischen Institutionen auch Eingang in den Alltag der Familien zu finden, oft mit schädlichen Folgen, weil zwischen Institutionen und Familien grundsätzliche Unterschiede bestehen und weil die Bedeutung der Eltern für die Erziehung des Kindes einen ganz anderen Stellenwert einnimmt als die der Pädagogen.

Im Deutschen existiert dieser Begriff zwar nicht als pädagogischer Fachbegriff, doch spielt das Konzept in den deutschsprachigen Ländern keine geringere Rolle als im Dänischen. "Stress am Esstisch" - das wird als Problem in vielen Familien konstatiert und der Verbindung Mutter-Vater-Kind als Stempel aufgedrückt. Ich halte von diesem Konzept nichts, schon gar nicht innerhalb der eigenen vier Wände. "Stress am Esstisch" - für mich ist die Formulierung kalt und sprachlich nicht passend, weil sie den Mahlzeiten die Poesie nimmt. Zugleich suggeriert sie den Erwachsenen, dass das Essen, zu dem wir uns jetzt versammeln, Probleme und Konflikte enthalte, die nicht auftreten sollten. Und weil unsere Erwartungen an das Leben und das Zusammensein mit anderen in hohem Maß unsere Wirklichkeit prägen, beeinflusst diese Erwartungshaltung ganz besonders unsere Kinder. Kinder sind sehr leicht zur Kooperation bereit. Schnell finden sie heraus, wie man sowohl den negativen als auch den positiven Erwartungen entspricht.

Vieles hat sich zum Guten gewendet - auch in der Pädagogik der Institutionen - seit Erfindung der "Essenssituation", der "Furchtsituation", der "Kuschelsituation" oder ähnlicher sprachlicher Ungeheuer. Ich bin der Meinung, wir können diesen Begriff ruhig abschaffen. Ich glaube nicht, dass uns etwas Wertvolles verloren geht. Ganz im Gegenteil, wir schaffen womöglich Platz für einige reale Werte.

Mit einer kleinen Umschreibung eines alten Graffito könnte man sagen: "Weg mit dem Stress am Esstisch und euch geht's besser!"
... und her mit der Mahlzeit!

Von Familie zu Familie bestehen große Unterschiede darin, was man unter einer gelungenen Mahlzeit versteht - sowohl im Hinblick auf die Qualität des Essens als auch auf die Qualität des Beisammenseins. Einige essen, um zu leben, und andere leben, um zu essen.

Manche Mahlzeiten sind von Wiedersehensfreude, Geruhsamkeit und Harmonie geprägt. Bei anderen fliegt plötzlich der Deckel hoch vom Topf mit den eingekochten Konflikten - und wir haben beides als gute Mahlzeiten in Erinnerung, weil wir dabei waren, weil wir einander etwas bedeuten und weil Gefühle und Beziehungen sich so offenbarten, wie sie in Wirklichkeit waren. Es gibt auch Mahlzeiten, bei denen uns die Speisen selbst bestens in Erinnerung geblieben sind. Vielleicht weil die Frikadellen an dem Tag besonders gut schmeckten oder weil der Koch oder die Köchin uns überraschte und unsere Sinne verza

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern
Dagmar Mißfeldt, 1964 in Hamburg geboren und aufgewachsen, studierte nach vielen Besuchen in den nordischen Ländern die beiden Hauptfächer Skandinavistik und Finnougristik in Hamburg, Göttingen und Turku (Finnland), dort 1989 sowohl an der schwedischsprachigen Åbo Akademi als auch an der finnischsprachigen Turun yliopisto. Der Magister-Abschluß folgte 1993. Heute lebt sie wieder in Hamburg und arbeitet seit 1994 als freie Literaturübersetzerin für Finnisch und Schwedisch sowie Norwegisch und Dänisch und ist Mitherausgeberin und -übersetzerin nordischer Anthologien. Daneben ist sie seit vielen Jahren an der Universität Lüneburg und der Universität Hamburg als Lehrbeauftragte für Schwedisch tätig.

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