Die Grenze des Himmels

Die Grenze des Himmels

Historischer Roman

von Stephan Kinkele

E-Book
Reihe: Piper Schicksalsvoll Band
400 Seiten
2019 Piper ebooks
ISBN 978-3-492-98518-5

7.99 EUR
inklusive Mehrwehrtsteuer
EPUB sofort downloaden
Downloads sind nur in Italien möglich!
Ebenfalls verfügbar

Weitere Informationen

Kurztext / Annotation
Ein historischer Roman umLiebe, Magie und Verrat im orientalischen Griechenland des frühen 19. Jahrhunderts
Die junge Seherin Vasiliki entflieht 1812 der schamanischen Tradition ihrer Tante, um ein christliches Leben zu führen. Doch statt wie versprochen zu heiraten, gerät sie in den Harem des grausamen Ali Paschá, der mit Hilfe dunkler Kräfte Christen und Muslime in Hass, Krieg und Tod treiben will. Je weiter Vasiliki in die Vergangenheit und das Labyrinth der Geheimnisse des Herrschers vordringt, desto klarer erkennt sie die Verstrickung ihrer eigenen Sippe in eine Gefahr, die sowohl Christen als auch Muslime betrifft: Es geht um die Macht der Dschinn, denen Gott eine Chance gab, wenn sie die moralische Verwerflichkeit des Menschen beweisen. Unter Einsatz ihres Lebens muss Vasiliki lernen, dass jeder Religion eine dunkle Seite innewohnt, gegen deren Macht nur die Barmherzigkeit hilft...

Stephan Kinkele, Jahrgang 1956, studierte Völkerkunde und Germanistik. Sein Interesse gilt dem menschlichen Wirken in Natur und Religion. Nach 35 Jahren weltweiter Abenteuer als Ethnologe und Reiseleiter lebt er in Mecklenburg und verarbeitet seine Erfahrungen in Romanen mit ungewöhnlichem historischem Hintergrund.

Textauszug
5

Vasiliki hielt die kleine Ikone des Heiligen Salomon hoch und lief in der Küche auf und ab. "Ein Untoter, ein Wrúkolas ! Kein Wunder, dass sich das ganze Dorf vor unserer Familie fürchtet und alle einen weiten Bogen um uns machen", rief sie aufgeregt.

Im Kamin brannte ein Feuer. Sefiroula saß auf der Bank neben der Feuerstelle und zog gekämmte Wolle vom Rocken. Geschickt spann sie mit zwei Fingern eine Faser und wickelte sie auf den hölzernen Stab, der unter ihrem Arm klemmte.

"Wie konntest du mir ein Leben lang verschweigen, dass ich einen Großvater habe, dessen Gebeine nicht in geweihter Erde liegen? Warum hast du mir nichts von ihm erzählt?"

Sefiroula blickte kurz auf. "Dein Großvater war ein guter Mann. Er hat Menschen geheilt", erklärte sie ruhig.

"In Gottes Namen, irgendeine Sünde muss er doch begangen haben, sonst wäre seine Seele frei. Er ist ein Toter ohne Grab. Was hat er nur getan, dass Gott ihm die Erlösung verweigert?"

Sefiroula setzte mit der rechten Hand die Spindel in Bewegung. Sie zwirbelte den Faden lang. "Gut, ich erzähle es dir. Es geschah in der Schlucht, dort gibt es eine Höhle, an der Stelle, wo der Fluss im Sommer kein Wasser führt."

Vasiliki bückte sich. Sie griff nach den beiden Kämmen für das Kadern der Wolle. Sie schwieg und begann zu helfen. Die Tante sprach offenbar von der Stelle, wo sie einige Tage zuvor eingeschlafen war.

Sefiroula nahm den Faden ab und wickelte ihn um die Spindel. "Unser Dorf wurde angegriffen. Es war ein heißer Tag, kurz nach Maria Entschlafung. Wir lebten zu dieser Zeit oben auf der Alm in Hütten. Du warst noch nicht geboren. Ich hatte gerade die Ziegen gemolken, als ich den Lärm und das Geschrei hörte. Ich dachte sofort, dass es Muselmanen sind, die unser Lager überfallen. Das geschah damals öfters als heute. Ich lief hinunter in die Schlucht, wo wir uns im Notfall versammelten. Wir konnten damals noch zur Höhle hinaufklettern. Den Eingang hatten wir schon Wochen zuvor mit Felsbrocken und Steinen verschlossen und Buschwerk gesammelt und die Höhle von außen unsichtbar gemacht."

Vasiliki zog die Wolle mit den Kämmen auseinander und zupfte die geglättete Wolle zurecht.

"Es herrschte große Aufregung, Frauen, Kinder und ein paar alte Männer waren da. Dein Großvater, den alle den Matsúkas nannten, half uns hinauf. Wie ein Prophet ragte er aus der Menge. Er trieb die Leute zur Eile an: Weiter, weiter ! Als deine Mutter erschien, schimpften die Frauen, weil sie euren Erstgeborenen im Arm trug. Die Frauen wollten keine Wöchnerin im Versteck. Der Matsúkas befahl Ruhe und mahnte zur Eile. Jedes Geräusch in der Schlucht war von Weitem zu hören. Das Gezänk der Frauen wurde lauter. Es brauchte einige strenge Ermahnungen und Stockhiebe, bis wir endlich alle oben in der Höhle hockten. Mit den letzten Steinen verschlossen die Männer den Ausgang."

Vasiliki spürte einen Druck in ihrer Brust. "Ich hatte einen Bruder?"

"Ja, der Erstgeborene eurer Familie. Seine Taufe stand kurz bevor. Er sollte den Namen Kimon erhalten."

Für eine Weile herrschte Stille.

"Wir hörten ihre Stimmen, nur wenige Meter von der Höhle entfernt", fuhr die Tante fort. "Wir hockten in der Dunkelheit und beteten. Ich hoffte inständig, die Ungläubigen würden den Weg durch die Schlucht weitergehen und verschwinden, doch sie blieben. Ich schwitzte und merkte, wie es in meinem Hals zu kratzen begann. Ich räusperte mich leise. Sofort stieß mir meine Nachbarin den Ellbogen in die Seite. Jedes Geräusch konnte uns verraten. Nur mit Mühe konnte ich ein Husten unterdrücken. Plötzlich begann der Säugling zu wimmern."

"Oh Gott...", hauchte Vasiliki. Ihre Hände mit der Wolle erstarrten. "Und?"

"Sein Schluchzen nahm zu, und die anderen Kinder in der Höhle wurden unruhig."

"Hat meine Mutter irgendetwas getan, um ihn zu beruhigen?"

"Deine Mutter hat alles getan, um ihr Kind z

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Schlagworte