Wisting und der Tag der Vermissten

Wisting und der Tag der Vermissten

Kriminalroman

von Jørn Lier Horst

E-Book
Reihe: William Wisting - Cold Case Band 1, Piper Paperback Band , Cold Cases Band 1
Übersetzt von: Andreas Brunstermann
464 Seiten
2019 Piper Verlag
ISBN 978-3-492-99505-4

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Kurztext / Annotation
Seit 24 Jahren hat Kommissar William Wisting ein Ritual: Am Jahrestag des Verschwindens von Katharina Haugen nimmt er sich die Fallakten erneut vor. Dieser Cold Case lässt ihm einfach keine Ruhe. Jedes Jahr trifft er zudem Martin Haugen, den Ehemann der Vermissten und damaligen Hauptverdächtigen, dem nie eine Schuld nachgewiesen werden konnte. Doch dieses Jahr sind zwei Dinge anders: Aus Oslo reist Adrian Stiller an, der in einem anderen Fall über die Fingerabdrücke von Martin Haugen gestolpert ist. Und als Wisting Haugen wie immer treffen will, ist dieser spurlos verschwunden.

Jørn Lier Horst, geboren 1970 in Bamble/Norwegen, war Kriminalhauptkommissar bei der norwegischen Polizei, bevor er 2004 als Kriminalschriftsteller debütierte. Seitdem schrieb er sich mit seinen Romanen um den Polizisten William Wisting in die erste Liga der norwegischen Krimiautoren.

Textauszug
2

Feine, durchsichtige Wasserstrahlen fielen im Licht der Scheinwerfer schräg zu Boden, als Wisting rückwärts aus der Garage fuhr. Der Regen hatte im Laufe der Nacht zugenommen. Wisting war bis Mitternacht aufgeblieben und hatte versucht, den Faden wiederzufinden, den er einige Stunden zuvor beinahe schon gepackt hatte, doch der war nicht mehr da.

Er warf einen Blick über die Schulter und sah zum Haus hinüber, in dem seine Tochter wohnte. In der Küche brannte Licht. Amalie wachte immer gegen sechs Uhr auf. Einen Augenblick blieb er regungslos hinter dem Lenkrad sitzen und fragte sich, ob er bei Line anhalten und fragen sollte, wie es den beiden ging. Er hatte es nicht eilig. Sein Arbeitstag begann erst in einer Stunde. Aber anscheinend versuchte Line gerade, die Kleine wieder zum Einschlafen zu bringen. Dabei würde sein Besuch nur stören.

Der 10. Oktober vor vierundzwanzig Jahren war ein wolkenloser Tag mit schwachem Wind aus Südost gewesen, wie Wisting aus dem Bericht wusste. Im Laufe des Abends waren ein paar Wolken aufgezogen. Der Wind hatte sich zu einer leichten Brise entwickelt, und die Temperatur war auf etwa acht Grad abgefallen.

Wisting fuhr durch das Wohnviertel und bog nach links in den Larviksvei ab. Der Arbeitstag würde nicht sehr produktiv werden. Er würde sich kaum auf etwas anderes konzentrieren können, weder vor noch nach dem Treffen mit Martin Haugen.

Katharina war in der Vergangenheit schon einmal verschwunden. Damals hatte sie Katharina Bauer geheißen. Im Alter von einundzwanzig Jahren hatte sie sich auf ihr Motorrad gesetzt, hatte ihrer österreichischen Heimatstadt Perg den Rücken zugekehrt und war nie wieder zurückgekommen.

Sie war vor ihrer dysfunktionalen Familie geflohen, einem gewalttätigen und alkoholabhängigen Stiefvater und einer instabilen Mutter mit psychischen Problemen. Lange hatten Katharina und ihre Schwester zusammengehalten und sich um den jüngeren Bruder gekümmert, doch als der alt genug war, um auf sich selbst aufzupassen, hatte Katharina ihren Rucksack gepackt und sich auf den Weg gemacht.

Die Reise hatte sie nach Norwegen geführt. Irgendwo in dem Land lebte ihr Vater. Jedenfalls hatte ihre Mutter einmal erzählt, dass der Vater Norweger sei. Sie hatte nicht viel Hoffnung, ihn zu finden. Sie wusste nur, dass er Richardt hieß und eine Zeit lang Stammgast in dem Restaurant war, wo ihre Mutter im Sommer 1958 gearbeitet hatte. Irgendwann war er dann weitergefahren, und es war unklar, ob er überhaupt je erfahren hatte, dass er Vater geworden war.

Der unbekannte Vater war allerdings nicht der eigentliche Grund für ihre Reise nach Norwegen. Es ging in erster Linie darum, von zu Hause wegzukommen. Aber sie war auch neugierig auf dieses Land gewesen. Bevor sie aufbrach, hatte sie sich mit Geschichte und Geografie vertraut gemacht und die Sprache ein wenig gelernt.

Nach ihrer Ankunft in Norwegen hatte sie offenbar auch versucht, ihren Vater ausfindig zu machen. Unter den von ihr zurückgelassenen Dingen befand sich eine Adressenliste mit verschiedenen Männern, die Richardt hießen, auch in anderer Schreibweise, aber das Ganze wirkte wie ein Projekt, das sie schon lange vor ihrem Verschwinden aufgegeben hatte. Ein paar der Namen auf der Liste waren durchgestrichen, etwa drei Viertel waren noch übrig. Die Polizei hatte sich mit all diesen Männern in Verbindung gesetzt. Die, deren Namen durchgestrichen waren, bestätigten, dass man sie kontaktiert hatte, dass sie aber offensichtlich nicht diejenigen waren, nach denen sie gesucht hatte.

Wisting stellte die Scheibenwischer auf eine höhere Geschwindigkeit ein. Als er sich dem Zentrum näherte, verdichtete sich der Verkehr. Das Regenwasser der letzten Tage hatte sich neue Wege gesucht, an mehreren Stellen war der Untergrund weggespült worden, und Teile der Straße waren abgerutscht, sodass der Verkehr umgeleitet werden musste.

In Österreich hatte Katharina eine Ausbildu

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