Lieblingskind

Lieblingskind

Thriller

von C. J. Tudor

E-Book
Übersetzt von: Werner Schmitz
464 Seiten
2019 Goldmann
ISBN 978-3-641-21423-4

12.99 EUR
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Kurztext / Annotation
Eines Nachts verschwand seine geliebte Annie. Aus ihrem eigenen Bett. Das ganze Dorf hat sie gesucht, überall. Alle haben das Schlimmste befürchtet. Und dann, wie durch ein Wunder, kehrte sie vierundzwanzig Stunden später zurück. Aber sie konnte - oder wollte - nicht sagen, was ihr zugestoßen war. Und auch er konnte es sich nicht erklären. Er wusste nur, dass sie nicht mehr dieselbe war. Nicht mehr seine Annie. Und er bekam Angst - mörderische Angst vor seiner eigenen kleinen Schwester ...
Beklemmend, unheimlich und Atem beraubend spannend - der neue Thriller von C.J. Tudor.

C.J. Tudor wuchs auf in Nottingham, wo sie auch heute mit ihrem Lebensgefährten und ihrer kleinen Tochter lebt. Im Lauf der Jahre hatte sie eine Vielzahl von Jobs, unter anderem als Synchronsprecherin, Werbetexterin, TV-Moderatorin und Dogwalkerin. Ihr erster Thriller 'Der Kreidemann', ebenfalls im Goldmann Verlag erschienen, sorgte international für Furore und wurde in 40 Länder verkauft.

Textauszug
1

Geh niemals zurück. Den Rat bekommt man oft zu hören. Alles hat sich verändert. Nichts ist mehr so, wie du es in Erinnerung hast. Lass die Vergangenheit in der Vergangenheit ruhen. Das ist natürlich leichter gesagt als getan. Die Vergangenheit kommt immer wieder hoch. Wie ein schlechtes Curry.

Ich will nicht zurückgehen. Nein. Da steht noch manches höher auf meiner Wunschliste: nicht bei lebendigem Leibe von Ratten gefressen werden, Line-Dance und solche Sachen. Anders gesagt, ich will unter keinen Umständen jemals in das Dreckskaff zurückkehren, in dem ich aufgewachsen bin. Aber manchmal bleibt einem nur die Entscheidung für das Falsche.

Und deswegen fahre ich jetzt noch vor sieben Uhr morgens auf einer kurvenreichen Fernstraße durch die Landschaft von North Nottinghamshire. Ich habe diese Straße seit Langem nicht mehr gesehen. So wie ich auch sieben Uhr morgens seit Langem nicht mehr gesehen habe.

Auf der Straße ist nichts los. Nur ein paar Autos überholen mich, eins hupt (womit der Fahrer zweifellos andeutet, ich behindere seine Lewis-Hamiltonsche Raserei zu irgendeinem beschissenen Job, den er unbedingt ein paar Minuten früher antreten will). Und es stimmt, ich fahre langsam. Nase an der Windschutzscheibe, die Hände ums Steuer gekrampft, dass die Knöchel weiß hervortreten: ganz langsam.

Ich fahre nicht gern. Wann immer möglich, lasse ich es. Ich gehe zu Fuß oder nehme den Bus, für weitere Strecken den Zug. Dummerweise hat Arnhill keine nennenswerten Busverbindungen, und der nächste Bahnhof ist zwölf Meilen entfernt. Da bleibt mir nur das Auto. Wie gesagt, manchmal hat man keine Wahl.

Ich blinke, biege ab und setze die Fahrt auf Landstraßen fort, die noch schmaler und tückischer sind. Auf beiden Seiten erstrecken sich Äcker in nassem Braun oder schmutzigem Grün, Schweine beschnüffeln die Luft in rostigen Wellblechhütten zwischen windschiefen Birkenwäldchen. Sherwood Forest, oder was davon übrig ist. Robin Hood und Little John sieht man heutzutage nur noch auf schlecht gemalten Schildern heruntergekommener Kneipen. Die Männer in diesen Kneipen sind meist ziemlich angesäuselt, und das Einzige, was man einbüßt, sind die Zähne, wenn man diese Männer schief ansieht.

Der Norden ist gar nicht so rau, wie man immer sagt. Und Nottinghamshire liegt ja auch nicht hoch im Norden - höchstens für Leute, die nie über den Höllenring der M25 um London hinausgekommen sind. Aber farblos ist es dort, flach, längst nicht so lebendig, wie man von ländlichen Gegenden erwartet. Als hätten die einst hier so zahlreichen Bergwerke alles Leben von innen heraus weggeschaufelt.

Nachdem ich lange Zeit keinerlei Anzeichen von Zivilisation bemerkt habe, nicht mal einen McDonald's, taucht endlich ein verwittertes Schild vor mir auf: WILLKOMMEN IN ARNHILL .

Darunter hat irgendein schlagfertiges kleines Arschloch hinzugefügt: UND GLEICH EINS IN DIE FRESSE .

Arnhill hat nichts Anheimelndes. Das Dorf wirkt abweisend, verbiestert und griesgrämig. Man bleibt unter sich und beäugt Besucher mit Misstrauen. Die Leute sind stoisch, unerschütterlich und müde, alles auf einmal. So ein Dorf sieht einen finster an, wenn man kommt, und spuckt auf den Boden, wenn man geht.

Von ein paar Bauernhöfen und älteren Steinhäusern in der Peripherie einmal abgesehen, hat Arnhill nichts Malerisches oder Idyllisches. Das Bergwerk wurde vor fast dreißig Jahren geschlossen, doch seine Altlasten durchdringen immer noch alles wie das Erz die Gesteinsschichten. Hier gibt es keine reetgedeckten Dächer oder hängenden Blumenampeln. Das Einzige, was hier vor den Häusern hängt, ist Wäsche an der Leine und die eine oder andere Flagge mit dem Georgskreuz.

Eintönige verrußte Reihenhauszeilen säumen die Hauptstraße, dazwischen ein schmuddliger Pub: The Running Fox. Früher gab es n

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