Das positivste Wort der englischen Sprache

Das positivste Wort der englischen Sprache

Roman

von Steven Bloom

E-Book
Übersetzt von: Silvia Morawetz
160 Seiten
2015 Wallstein Verlag
ISBN 978-3-8353-2756-6

13.99 EUR
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Kurztext / Annotation
Steven Blooms neuer Roman ist ein wilder Ritt durch die letzten 50 Jahre der amerikanischen Geschichte. Als College-Student verliebt sich Norman Goldstein in eine schwarze Kommilitonin und heiratet sie gegen alle Widerstände. Zunächst als Postsortierer, später Sozialarbeiter und schließlich Uniprofessor wird er immer wieder in politisch absolut unkorrekte Debatten verwickelt: über Eltern und Kinder, über Sexualität, Ehe und die extrem vielgestaltigen Beziehungen zwischen Männern und Frauen, über Religion, Rassendiskriminierung und Schwulenhass, über die Iren und die Juden, über Vietnam- und Irakkrieg, Terrorismus und Verschwörungsphantasien nach dem WTC-Anschlag. Bloom ruft alle nur denkbaren Vorurteile und Klischees auf, um die große Politik und Geschichte sowie die privatesten Schicksale ins Tanzen zu bringen. Nie zielt er auf die billige Pointe, im Gegenteil, er zündet ein Feuerwerk von Pointen, in dem Trauriges und Komisches erst Sichtbarkeit gewinnen.

Steven Bloom, geb. 1942 in Brooklyn, New York, als Sohn eines polnischen Juden, lebt in Heidelberg. Er arbeitete als Rundfunkjournalist in den USA und ist seit vielen Jahren an der Heidelberger Universität als Dozent für amerikanische Landeskunde tätig.

Textauszug
Eins

1.

Die Mädchen hier, las Phil vor, sind wie pflückreife Pfirsiche. Saftige Details demnächst. Achtung, Postmeisterin Tuttle: Diese Postkarte zu lesen, verstößt gegen Bundesrecht und kann strafrechtliche Verfolgung und Gefängnis nach sich ziehen.

Er reichte Norman den Modigliani-Akt, und der drehte ihn schnell auf die beschriebene Seite und steckte ihn in das Verteilerfach für Athens, Georgia.

Noch ist es nicht zu spät, sagte Phil.

Könntest du dich um deine Angelegenheiten kümmern?, sagte Norman.

Du, sagte Phil, siehst da etwas grundlegend falsch. Du wähnst dich auf ewig gefeit gegen den Fluch der Einsamkeit und die Not sexueller Entbehrung. Doch der Skylla der Pubertät entronnen, wird die Charybdis der Ehe dich vernichten.
2.

Liebe Alonya, las Phil vor, wir sind gleich bis in die Krone raufgestiegen. New York ist schon ok, nur tragen gewisse ELEMENTE die Nase so hoch, dass wir uns auch wieder auf daheim freuen, denn da wissen diese Leute, wo sie hingehören. Behüt dich Gott, LuAnn.

Er balancierte die Karte auf der ausgestreckten Hand.

Hier, Norman, sagte er, haben wir ein klassisches moralisches Dilemma. Einen ganz offensichtlichen Wertekonflikt. Auf der einen Seite das unveräußerliche Recht der freien Rede, auf der anderen das zwingende Gebot, Rassismus zu bekämpfen. Vielleicht sollte ich die gute Miss Liberty einfach in den kaum sichtbaren Spalt zwischen unseren Schränken schieben, wo sie unbeschadet sieben Jahre überwintern kann.

Phil spielte auf die Legende an, dass jemand hier auf diesem Postamt einmal einen Brief aus so einem Spalt fischte, der laut Poststempel sieben Jahre dort gesteckt hatte. Der Angestellte, der ihn fand, brachte ihn pflichtgemäß zu seinem Vorgesetzten und fragte, was er tun solle. Der Legende nach zuckte der Vorgesetzte die Achseln und sagte: zustellen.

Behüt dich Gott, sagte Phil, ist nicht ganz unwichtig.

Er sah zu der hohen Kuppeldecke hinauf.

Sieh da, sagte er, ich vernehme ein leises Stimmchen. Es sagt, mehr Vertrauen in den freien Markt der Ideen, Bamberger. LuAnn steht für ihre drei Cent derselbe Service zu wie allen anderen.
3.

Unser hiesiger Obersturmbannführer , sagte Phil, hat mir gerade anvertraut, Juden seien in Wirklichkeit viel bessere Arbeiter, als manche Leute denken.

Mr. Wohlfahrt saß an seinem Tisch, rauchte eine Zigarette und las die Daily News .

Eichmann, sagte Phil, war noch dazu Katholik. Die Erziehung zu blindem Gehorsam kann sich unter den richtigen Umständen als sehr nützlich erweisen. Obwohl die Katholiken in puncto blinder Gehorsam nicht die Einzigen sind. Ein typischer Amerikaner taugte, wenn er die Möglichkeit dazu hatte, genauso gut zum guten Deutschen wie die Deutschen selber. Während des Kriegs wurden an der Westküste lebende Personen japanischer Herkunft, in der Mehrzahl amerikanische Staatsbürger, in Umsiedlungslagern interniert, und niemand hat protestiert. Niemand wusste, ob es in diesen Lagern Gaskammern oder Krematorien gab oder nicht, aber das hat auch niemanden interessiert. Ihr Führer hatte einen Erlass verkündet, und es wurde nicht für nötig gehalten, dass jemand Fragen stellt. Und müssten wir ab morgen statt Post in den Süden Puertoricaner in Konzentrationslager befördern, würde das bestimmt nur wenigen Kollegen einen schlaflosen Tag bereiten.
4.

Norman war der Meinung, er hätte sich für Geschichte der westlichen Zivilisation bei Dr. Morath eingeschrieben, der Fachbereich Geschichte hatte ihn jedoch böse hereingelegt. Er hatte genau die Lehrkraft erwischt, vor der man sich, wie e

Beschreibung für Leser
Unterstützte Lesegerätegruppen: PC/MAC/eReader/Tablet

Biografische Anmerkung zu den Verfassern
Silvia Morawetz, geb. 1954 in Gera, studierte Anglistik, Amerikanistik und Germanistik und ist die Übersetzerin von u.a. Janice Galloway, James Kelman, Hilary Mantel, Joyce Carol Oates und Anne Sexton. Sie erhielt Stipendien des Deutschen Übersetzerfonds, des Landes Baden-Württemberg und des Landes Niedersachsen.

Steven Bloom, geboren 1942 in Brooklyn, New York. Er studierte Amerikanistik an der New York University und lebt seit längerem in Heidelberg.

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