Braunkohle, Kraftwerke, Briketts

Braunkohle, Kraftwerke, Briketts

Der Norden des Rheinischen Braunkohlenreviers

von Peter Zenker

E-Book
271 Seiten
2011 Pro BUSINESS digital printing
ISBN 978-3-86460-001-2

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Kurztext / Annotation
Das Land im Städtedreieck Köln-Mönchengladbach-Aachen ist ein von Gott gesegneter Landstrich. Zum einen haben wir hier den hohen Ertrag bringenden Ackerboden und darunterliegend eine Braunkohlenlagerstätte mit einem Inhalt von 35 Mrd. t gewinnbarer Kohle. Die Gewinnung der Braunkohle gab der Region den Namen 'Rheinisches Braunkohlenrevier'. Im Norden des Reviers, in Neurath, stieß man im Jahre 1858 beim Bau eines Dorfbrunnens auf die Braunkohle. Der erste Abbau des Bodenschatzes erfolgte in einer Untertagegrube. Bis zu diesem Zeitpunkt lebten die Menschen in dieser Region ausschließlich von der 'Ackerschaft', wie es in einer alten Quelle beschrieben wird. Mit der Braunkohle vollzog sich der Wandel hin zu einer stark von der Rohstoffindustrie geprägten Region. Ab dem Jahre 1907 wird die Kohle im Tagebau gewonnen und bis zum Jahre 1968 zu Briketts verarbeitet.1,5 km nördlich von Neurath liegt Frimmersdorf. Dort nimmt der Bergbau, beginnend im Jahre 1917, eine andere Entwicklung als in Neurath. Die hier ebenfalls im Tagebau gewonnene Kohle wird nicht zu Briketts weiterverarbeitet, sondern sie wird zur Stromerzeugung in einem Braunkohlekraftwerk eingesetzt. Das erste Frimmersdorfer Braunkohlekraftwerk geht 1925 in Betrieb. Nach Zusammenschluss der einzelnen im Revier tätigen Braunkohleunternehmungen wird der Braunkohlenbergbau im Norden des Rheinischen Braunkohlenreviers weiterentwickelt, da im Süden des Reviers die Braunkohlevorräte zur Neige gehen. Im Jahre 1949 wird deshalb folgerichtig mit dem Aufschluss eines neuen Tagebaus in Frimmersdorf begonnen. Hieraus entsteht der spätere Tagebau Garzweiler, in dem heute pro Jahr ca. 38 Mio. t Kohle gefördert werden. Die hier gewonnene Kohle ist Garant dafür, dass damit das modernste Braunkohlekraftwerk der Welt, wie es zurzeit in Neurath entsteht, langfristig sicher beliefert werden kann.Der Bergbau stellt einen großen Eingriff in die Landschaft dar.

Der Autor, Jahrgang 1939, lebte in seiner Jugendzeit in Neurath und Frimmersdorf. Heute sind diese beiden Gemeinden Teile der Stadt Grevenbroich, dem Zentrum des nördlichen Rheinischen Braunkohlenreviers. Aus einer Bergmannsfamilie stammend, wurde er in der Nachbarschaft von Tagebauen, Brikettfabriken und Kraftwerken groß. Schon während der Ausbildung arbeitete er in den Schul- und Semesterferien in den Frimmersdorfer Tagebauen. Er studierte Bergbau mit Abschluss als Dipl.-Ing. und promovierte in diesem Fach zum Dr.-Ing. Zunächst in der Grundstoffindustrie tätig, war er ab 1977 im Staatsdienst. Beim Landesoberbergamt NW war er für den gesamten Braunkohlenbergbau im Lande Nordrhein-Westfalen zuständig. Danach wurde ihm die Leitung des Bergamtes Aachen übertragen. Das Land Nordrhein- Westfalen war bei der Wiedervereinigung Partner für das Land Brandenburg, in dem sich unter anderem das große Lausitzer Braunkohlenrevier im Süden von Berlin befindet. Dem Ruf des Wirtschaftsministeriums NRW beim Aufbau in den neuen Ländern zu helfen und sich dort zu engagieren, folgte der Autor gern und unvoreingenommen. Unter seiner Regie wurde für die Länder Brandenburg und Berlin ein neues Kapitel in der Bergbaugeschichte begonnen. Als Präsident des Oberbergamtes für die Länder Brandenburg und Berlin ebnete er den Weg hin zu einem verantwortungsvollen, resourcenschonenden Bergbau mit nachhaltig wirksamer Wiedernutzbarmachung. Neben den in diesem Buch erschienenen Aufsätzen informiert die Webseite des Autors unter www.peter-zenker.de über mehr als fünfzig wissenschaftliche Publikationen, die vom Autor geschriebenen und veröffentlicht wurden.

Textauszug


Braunkohlenbergbau in Frimmersdorf

1. Einführung

In dem flächenmäßig großen Abbaugebiet der Tagebaue um Frimmersdorf wurde am äußersten westlichen Rand dieses Abbaugebietes die erste Untertagegrube in Geddenberg von 1850 bis 1857 betrieben.

Der Ursprung für die Braunkohlentagebaue in Frimmersdorf lag jedoch in der Stadt Rheydt. Diese hatte zum Betrieb ihrer Straßenbahnen im Jahre 1899 an der Odenkirchener Strasse ein Elektrizitätswerk errichtet, das mit Steinkohle aus dem Ruhrgebiet befeuert wurde. Die Stadt Rheydt brachte dieses Kraftwerk im Jahre 1912 in das mit der Deutschen Continental-Gas-Gesellschaft (DCGG), Dessau, gegründete Unternehmen, die Niederrheinische Licht- und Kraftwerke AG (NLK) ein. Mit Beginn des Ersten Weltkrieges wurde die Versorgung des Kraftwerkes in Rheydt mit Steinkohle kritisch und knapp. Um die Rohstoffversorgung langfristig zu sichern, erwarb die NLK im Jahre 1917 bei Frimmersdorf Bergwerksfelder auf Braunkohle. Den ersten Tagebau in diesen Feldern betrieb die Gewerkschaft Walter, eine Tochter der NLK. Das erste Braunkohlekraftwerk in Frimmersdorf wurde von der Niederrheinischen Braunkohlenwerke AG (NBW) in den Jahren 1925/26 errichtet. Die NBW war im Jahre 1921 vor allem aus diesem Grunde (Kraftwerksbau) von der Stadt Rheydt, der DCGG und der Gasfinanz gegründet worden.

Nach großen Anfangsschwierigkeiten wurde der Braunkohlenbergbau in Frimmersdorf mit seinen Kraftwerken letztendlich eine Erfolgsgeschichte. Die Braunkohlengewinnung im Tagebau begann in Frimmersdorf im Jahre 1920 mit der Grube Walter. Sie fand ihre Fortsetzung in der Grube Heck, der Grube Frimmersdorf, den Tagebauen Frimmersdorf Südfeld und Frimmersdorf-Westfeld, dem Tagebau Frimmersdorf/Garzweiler, dem Tagebau Garzweiler I und schließlich im Abbaufeld Frimmersdorf West-West, in dem heute der Tagebau Garzweiler II geführt wird.
2. Frimmersdorf

Frimmersdorf an der Erft, zwischen Grevenbroich und Bedburg gelegen, wird erstmals im Jahre 1210 aktenkundig erwähnt. Wie archäologische Forschungen jedoch zeigen, erfolgte die Besiedlung des Bereichs schon in frühfränkischer Zeit. [12] Frimmersdorf hatte eine große Gemarkung mit beachtlichen gemeinschaftlich genutzten Ländereien, Busch- und Ackerland. [13] Der Großteil der arbeitenden Bevölkerung war in der Landwirtschaft beschäftigt. Im Jahre 1912 wurde Frimmersdorf an das Elektrizitätsnetz der Niederrheinischen Licht- und Kraftwerke AG, Rheydt, angeschlossen. In 1922 erfolgte der Anschluss des Dorfes an die zentrale Wasserversorgung durch das Kreiswasserwerk Bergheim-Erft. [14]

Der Wasserverbrauch für die 1200 Einwohner von Frimmersdorf und für das Vieh der Landwirtschaft wurde auf 79 m³/Tag berechnet. Hinzu kam der Wasserverbrauch der Brauerei Gebrüder Fassbender mit 10 m³/Stunde. [15] Da im Zuge des Tagebauaufschlusses ein Großteil der Hausbrunnen in Frimmersdorf trocken fielen, verpflichtet sich die Niederrheinische Braunkohlenwerke AG (NBW) in einem Vertrag vom 17. 6. 1924 gegenüber der Gemeinde, die Bürger der Gemeinde dauernd und unentgeltlich mit Trink- und Nutzwasser zu versorgen. Hierzu gehörte auch die Frimmersdorfer Brauerei, die als erste Ansprüche auf Ersatzwasser stellte. [16]

Bild 1: Frimmersdorf 1920 [17]

Mit Aufschluss des ersten Braunkohlentagebaus in Frimmersdorf, der Grube Walter im Jahre 1920, erfolgt ein Wandel in der Beschäftigung. Denn die neue Industrie schaffte Arbeit. Und so ist es auch noch heute. Ab 1975 ist die Gemeinde Frimmersdorf ein Stadtteil der Stadt Grevenbroich im Rhein-Kreis Neuss. Die Bedeutung Frimmersdorfs als Industriestandort kommt auch dadurch zum Ausdruck, dass es direkt an das deutsche Autobahnnetz (A 540) mit einem eigenen Autobahnansch

Kurzbeschreibung
Das Land im Städtedreieck Köln-Mönchengladbach-Aachen ist ein von Gott gesegneter Landstrich. Zum einen haben wir hier den hohen Ertrag bringenden Ackerboden und darunterliegend eine Braunkohlenlagerstätte mit einem Inhalt von 35 Mrd. t gewinnbarer Kohle. Die Gewinnung der Braunkohle gab der Region den Namen "Rheinisches Braunkohlenrevier". Im Norden des Reviers, in Neurath, stieß man im Jahre 1858 beim Bau eines Dorfbrunnens auf die Braunkohle. Der erste Abbau des Bodenschatzes erfolgte in einer Untertagegrube. Bis zu diesem Zeitpunkt lebten die Menschen in dieser Region ausschließlich von der "Ackerschaft", wie es in einer alten Quelle beschrieben wird. Mit der Braunkohle vollzog sich der Wandel hin zu einer stark von der Rohstoffindustrie geprägten Region. Ab dem Jahre 1907 wird die Kohle im Tagebau gewonnen und bis zum Jahre 1968 zu Briketts verarbeitet.1,5 km nördlich von Neurath liegt Frimmersdorf. Dort nimmt der Bergbau, beginnend im Jahre 1917, eine andere Entwicklung als in Neurath. Die hier ebenfalls im Tagebau gewonnene Kohle wird nicht zu Briketts weiterverarbeitet, sondern sie wird zur Stromerzeugung in einem Braunkohlekraftwerk eingesetzt. Das erste Frimmersdorfer Braunkohlekraftwerk geht 1925 in Betrieb. Nach Zusammenschluss der einzelnen im Revier tätigen Braunkohleunternehmungen wird der Braunkohlenbergbau im Norden des Rheinischen Braunkohlenreviers weiterentwickelt, da im Süden des Reviers die Braunkohlevorräte zur Neige gehen. Im Jahre 1949 wird deshalb folgerichtig mit dem Aufschluss eines neuen Tagebaus in Frimmersdorf begonnen. Hieraus entsteht der spätere Tagebau Garzweiler, in dem heute pro Jahr ca. 38 Mio. t Kohle gefördert werden. Die hier gewonnene Kohle ist Garant dafür, dass damit das modernste Braunkohlekraftwerk der Welt, wie es zurzeit in Neurath entsteht, langfristig sicher beliefert werden kann.Der Bergbau stellt einen großen Eingriff in die Landschaft dar. In einer Gesamtschau wird deshalb in diesem Buch nicht nur die Technikgeschichte der Tagebaue, Brikettfabriken und Kraftwerke behandelt, sondern es werden auch die rechtlichen Rahmenbedingungen angesprochenen und die Aspekte der Rekultivierung, der Umsiedlung, der Archäologie, die Verlegung von Straßen und Flüssen und die CO2-Minderung bei Kraftwerken behandelt. Selbstverständlich wird auch auf die Torfgewinnung eingegangen. Denn der Torf, der in der Erftniederung anstand, war vor der Braunkohle der einzige Energielieferant, der in der entwaldeten Region zur Verfügung stand.

Beschreibung für Leser
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Biografische Anmerkung zu den Verfassern
Der Autor, Jahrgang 1939, lebte in seiner Jugendzeit am Niederrhein. Er studierte Bergbau mit Abschluss als Dipl.-Ing. und promovierte in diesem Fach zum Dr.-Ing. Zunächst in der Grundstoffindustrie tätig, war er ab 1977 im Staatsdienst. Beim Landesoberbergamt NW war er für den gesamten Braunkohlenbergbau im Lande Nordrhein-Westfalen zuständig. Danach wurde ihm die Leitung des Bergamtes Aachen übertragen. Dem Ruf des Wirtschaftsministeriums NRW, beim Aufbau in den neuen Ländern zu helfen und sich dort zu engagieren, folgte der Autor gern und unvoreingenommen. Unter seiner Regie wurde für die Länder Brandenburg und Berlin ein neues Kapitel in der Bergbaugeschichte begonnen. Als Präsident des Oberbergamtes ebnete er den Weg hin zu einem verantwortungsvollen, ressourcenschonenden Bergbau mit nachhaltig wirksamer Wiedernutzbarmachung. Seine berufliche Tätigkeit wird flankiert von mehr als 50 wissenschaftlichen Publikationen. Ab dem Jahre 2000 liegt der Schwerpunkt in der Regionalforschung. Der Autor ist seit seiner Jugend sportlich orientiert. Hieraus leitet sich auch der Bezug zum Golfsport ab, das Thema des jetzt vorgelegten Buches. Heute lebt der Autor in Siegburg, nicht weit von der Golfanlage in Troisdorf entfernt.

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