Noch mehr Detektivgeschichten

Noch mehr Detektivgeschichten

von Gilbert K. Chesterton

E-Book
Reihe: Krimis bei Null Papier Band
Übersetzt von: Clarisse Meitner
255 Seiten
2019 Null Papier Verlag
ISBN 978-3-95418-540-5

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Kurztext / Annotation
Erstmalig vier seit Jahrzehnten unveröffentlichte Geschichten von Chesterton Der Meister der spirituellen Rätsel hat uns noch mehr geschenkt als 'nur' seinen Pater Brown. In dieser ursprünglich 1922 veröffentlichten Sammlung aus einer Novelle und 3 Kurzgeschichten ermitteln verschiedene Personen in unterschiedlichen Verbrechen, aber immer in der für den Autor typischen, leisen und nachdenklichen Art. - Die Bäume des Hochmuts (The Trees of Pride) In dieser Geschichte läuft Chesterton zur Hochform auf: Er spinnt eine geheimnisvolle Intrige, gespickt mit philosophischen und theologischen Betrachtungen. Der Landadlige Vane, über den es heißt, er sei ein Mann, der sich besonders rühme, sich von keinerlei Dummheiten beeinflussen zu lassen, mit dem Resultat, dass er immer dumme Sachen mache, hat aus Afrika drei Bäume eingeführt. Diese Bäume stehen bei den abergläubischen Nachbarn in Verruf - angeblich sollen sie Krankheiten übertragen und sogar Menschen verspeisen. Um den Irrsinn zu widerlegen, verbringt Vane die Nacht im Wald. Am nächsten Morgen ist er verschwunden. Seine Gäste, unter ihnen ein amerikanischer Kritiker, ein Jurist und ein Arzt, machen sich auf, das Rätsel zu lösen. Die anderen Kurzgeschichten sind: - Der Garten des Rauches (The Garden of Smoke) - Schwert fünf (The Five of Swords) - Der Turm des Verrates (The Tower of Treason) Chesterton hat wahrlich niemals ein schlechtes Buch geschrieben. Null Papier Verlag

Gilbert Keith Chesterton (1874 - 1936), einer der großen englischen Zeitkritiker, vertrat den katholischen Gedanken. Er bediente sich des Kriminalromans, um im Rahmen spannender Geschichten seinen 'Pater Brown' predigen zu lassen. Sein Essay-Band 'Orthodoxie' ist ebenso wie verschiedene seiner Detektivgeschichten bereits in Deutschland verlegt worden. Im Alter von 50 Jahren trat er zur römischen Kirche über. In seiner umfangreichen literarischen Produktion hat er alle Probleme seiner Zeit aufgegriffen. Bedeutungsvoll sind auch seine Biographien über Chaucer, Barrett, Dickens, Stevenson und Shaw. Humor und Witz zeichnen alle Arbeiten dieses großen Meisters des Paradoxon aus. Wie wir 'The New American Encyclopedia' entnehmen, sagte er voraus, dass Hitler die Alliierten zum Kampf zwingen würde.

Textauszug
Erstes Kapitel – Die Geschichte von den Pfauenbäumen

S quire 1 Vane war ein ältlicher Schulknabe von englischer Erziehung und irischer Abstammung. Seine englische Erziehung an einer der großen Publicschools hatte seinen Geist in einem vollkommenen und immerwährenden Stadium des Knabenalters erhalten. Doch die irische Abstammung erweckte unbewusst in ihm den rechten Ernst eines alten Knaben und gab ihm manchmal das Verständnis für die glänzenderen Aussichten eines ungezogenen Knaben wieder. Er besaß eine körperliche Ungeduld, die manches mal mit ihm durchging, beinahe gegen seinen Willen, und die daran schuld war, dass er sowohl im Zivildienst als auch in der diplomatischen Laufbahn geradezu glänzend versagte. So ist es zwar wahr, dass der Kompromiss der Schlüssel zur englischen Politik ist, insbesondere, was die Unparteilichkeit gegenüber den Religionszweigen Indiens anbelangt; doch Vanes Versuch, den Moslems dadurch auf halbem Weg entgegenzukommen, dass er an der Pforte der Moschee einen Stiefel auszog, wurde weniger als Zeichen wahrer Unparteilichkeit aufgenommen, sondern vielmehr als etwas, das nur aggressive Gleichgültigkeit genannt werden konnte. Auch ist es wahr, dass man von einem englischen Aristokraten kaum erwarten kann, dass er in einem Streit zwischen einem russischen Juden und einer orthodoxen Prozession, welche Reliquien trägt, die Gefühle einer der beiden Parteien wirklich nachempfinden kann; doch Vanes Einfall, dass die Prozession ebenso gut den Juden selbst als ehrwürdige, historische Reliquie tragen könnte, wurde von beiden Seiten missverstanden. Kurz, er war ein Mann, der sich besonders rühmte, er lasse sich von keinerlei Dummheiten beeinflussen, mit dem Resultat, dass er immer dumme Sachen machte. Er schien einzig aus dem Grund auf dem Kopf zu stehen, um zu beweisen, dass er nicht auf den Kopf gefallen sei.

Er hatte in Gesellschaft seiner Tochter eben ein herzhaftes Frühstück beendet unter einem Baum in seinem Garten an der kornischen 2 Küste. Denn, da er selbst eine wunderbare Zirkulation besaß, bestand er darauf, möglichst viele Mahlzeiten im Freien einzunehmen, obwohl der Frühling noch kaum die Bäume berührt oder das Wasser am südlichsten Ende Englands erwärmt hatte. Seine Tochter Barbara, ein hübsches Mädchen mit rotem Haar und einem so ernsten Antlitz wie eine Gartenstatue, saß immer noch, beinahe regungslos wie eine Statue, still, nachdem ihr Vater sich erhoben hatte.

Es war keine üble Gestalt, dieser große Mann in den hellen Kleidern, mit den weißen Haaren und dem weißen Schnurrbart, der ein wenig wild zurückflog aus seinem gutmütigen Gesicht, als er, den ungewöhnlich großen Panamahut in der Hand, durch den terrassenförmig angelegten Garten hinschritt, einige Steintreppen, an deren Geländer alte, reich verzierte Urnen angebracht waren, hinunterstieg, dann einem waldigeren Pfad folgte, der zu beiden Seiten von kleinen Bäumchen umsäumt war, und so im Zickzack weiter ging auf dem Weg, der den felsigen Abhang hinabführte bis ans Ufer, wo ein Gast in einem Boot ankommen sollte. Die Yacht lag bereits in der blauen Bucht, und man konnte das Boot sehen, das auf die kleine, gemauerte Landungsbrücke zuruderte.

Doch schon auf diesem kurzen Weg zwischen den grünen Wiesen und dem gelben Sand sollte sein kühler Verstand auf die Probe gestellt werden, wie leicht er in jenen nicht seltenen Zustand zu versetzen sei, den die Welt Hitzköpfigkeit zu nennen pflegt. Tatsache war, dass die kornische Landbevölkerung, der die Pächter und die Dienerschaft des Hauses angehörten, bei weitem nicht Leute waren, die keine Dummheit kannten. Sie hatten, leider,

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