Rezensionen

1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | ... | 1406 | 1407 | 1408 | 1409 | 1410 | 1411 | 1412 | 1413 | >> 



Todesmal
von Andreas Gruber
Mörderischer Rachefeldzug 19. September 2019
Bereits die halbe Seite 2 des Einführungstextes lässt dem Leser das Blut in den Adern gefrieren und alle feinen Härchen am Körper stellen sich auf (Gänsehaut genannt). Andreas Gruber stimmt den Leser ein auf den nächsten Superthriller der Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder Reihe, Nummer 5. Maarten S. Sneijder, Profilier mit unerreichter Aufklärungsquote. Wie eh und je: „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich“, „wer meine Arbeitsweise nicht schätzt, behindert mich.“ Sein Problem ist, dass er sich oft selbst im Weg steht und sich selbst behindert.
Der Plot beginnt mörderisch. Eine Frau in Nonnentracht „verkündet“ im BKA Wiesbaden, dass „an jedem einzelnen der nächsten sieben Tage ein Verbrechen geschehen werde! Es würden sieben Menschen sterben.“
Maarten S. Sneijders erstes Verhör/Gespräch/Gebet mit der „Nonne“ bietet Gänsehaut pur. Mörderjagd ist seine oberste Prämisse, seine Passion. Mit Schneider und Nemez wird ein Team mit Sondervollmachten zusammengestellt, ganz nach dem Muster von „Mission: Impossible.“ In den folgenden Tagen führen die Ermittlungen das Team von Deutschland nach Österreich, in die Schweiz und in die Niederlande. Die „Nonne“ hat sich mit ihren Komplizen einem Rachefeldzug verschrieben. Sie möchte die Verantwortlichen für die Verbrechen, die in dem, ihrem Kloster angeschlossenen Internat vor 37 Jahren geschehen sind, zur Rechenschaft ziehen, besser der gerechten Strafe zuführen, das heißt mit einer perfiden Methode zu Tode bringen. Tipp, keine Bambussprossen unter Ihrem Bett züchten, könnte tödlich enden. Die für den massenhaften Kleinkindmord verantwortlichen, in Röntgenmedizin und Pharmaindustrie sollen der Öffentlichkeit bekannt und der Prozess gemacht werden. Langsam wechselt die Sympathie vom arroganten Kotzbrocken Sneijder zu den Rächern und es tut gut, wenn er bei seinen „Freunden“ in NL mit am Rücken gefesselten Handschellen im Verhörraum sitzt.
Für den Leser stellt sich die zentrale Frage, ob es gerechtfertigt sei, ein Verbrechen durch einen Mord zu sühnen.
Dieser Thriller TODESMAL, Teil 5 der Sabine Nemez und Maarten S. Sneijder Reihe ist ein absoluter Pageturner, professionell verfasst von Andreas Gruber. Wir hoffen, die Anspielung am Ende weist auf den sechsten Teil der Reihe hin.


Menschen neben dem Leben
von Ulrich Alexander Boschwitz
Die Weltwirtschaftskrise aus der Froschperspektive 19. September 2019
Der Roman „Menschen neben dem Leben“ von 1937 lässt den Leser am Überlebenskampf einer Handvoll Personen am untersten Rand der Gesellschaft in der Zeit zwischen den Weltkriegen teilhaben. Allen ist der unverschuldete gesellschaftliche Absturz gemeinsam. So liegen die Ursachen dafür im Bereich der Arbeitslosigkeit, geistiger Behinderung oder Kriegsversehrtheit. Im Zentrum des Geschehens steht die Kneipe „zum fröhlichen Waidmann“, in der unter Alkoholeinfluss ein Konflikt untereinander eskaliert.

Der Roman lebt vom Umgang mit der Perspektivlosigkeit nach dem gesellschaftlichen Fall. So äußert sich die Hilflosigkeit und Frustration eines der Protagonisten in Aggressivität, während ein weiterer sich durch Übernahme von Verantwortung für den Schwächsten der Gruppe hervortut. Ein Dritter zeichnet sich durch Abkehr von der gesellschaftlichen Ethik aus, die sich darin äußert, dass er sich seinen gesellschaftlichen Platz auf illegalem Weg zurückerobern möchte.

Insgesamt gelingt es dem Autor hervorragend, in nüchternen Worten ein düsteres Gesellschaftsbild zu skizzieren, in der für die Ärmsten die Sicherstellung der elementarsten Grundbedürfnisse nicht gegeben ist und die eine so hohe Durchlässigkeit aufweist, dass ein gesellschaftlicher Absturz eine reale Bedrohung für große Bevölkerungsanteile darstellt. Faszinierend, wie der Autor die Froschperspektive dazu benutzt, die Gesellschaft zu sezieren. Dass das Buch von einem Zeitzeugen verfasst wurde, erhöht die Authentizität und ermöglicht mir als Leser, tief in eine vergangene Zeit und ins Proletariat einzutauchen. Auch fällt mir positiv auf, dass die Protagonisten sämtlich komplex sind, ohne Stereotype zu bemühen. Unterhaltsam, mit welch leisem Spott der Erzähler bisweilen auf die Akteure blickt. Ich möchte die Lektüre des Romans uneingeschränkt empfehlen!
Endlich wieder ein Jugendbuch, das mich begeistern konnte! 19. September 2019
Für Mailin ist nur eines wichtig: Immer für ihre Schwester da zu sein. Denn Vicky fiel vor sieben Jahren in ein Wachkoma und ist noch immer nicht aus diesem erwacht.
Doch dann passiert Mailin etwas Unglaubliches. Stand sie gerade noch in der Umkleide ihrer Kampfschule in Irland, findet sie sich plötzlich in einem ihr vollkommen fremden Wald wieder. Während sie in diesem Wald in eine Notsituation gerät, trifft sie auf einen jungen Mann, der ihr eröffnet, sie würde sich fern ab ihrer Heimat in einem Land namens Lyaskye befinden. Gemeinsam mit dem jungen Mann macht Mailin sich auf den Weg in die Hauptstadt von Lyaskye, um dort jemanden zu finden, der sie zurück nach Irland und zu Vicky bringen kann. Doch Mailin ahnt nicht um die Gefahren, in denen sie schwebt. Denn in Lyaskye ist niemand jemals wirklich sicher.

Mit „One True Queen“ ist etwas geschehen, dass ich nicht mehr für möglich gehalten habe: Ein Fantasy Jugendbuch, bei dem sich nicht aller Klischees bedient wurde und ich nicht ein Mal entnervt mit den Augen rollen musste!

Ich hatte keine hohen Erwartungen an das Buch, da in den Glauben in den Bereich des Buchmarktes wirklich mit der Zeit verloren habe. Doch die Leseprobe fand ich ganz gut, weshalb ich - neugierig auf den Rest – das Buch doch gerne lesen wollte. Hatte ich geplant, das Buch als Lückenfüller und Zeitvertreib in der Bahn zu lesen, musste ich sehr schnell feststellen, dass ich ganz fix von meinem hohen Ross namens „Jugendbuchfantasy wird sowieso nur nach Schema X abgekupfert“ hinuntersteigen und mir selber eingestehen musste, dass ich das Buch grundlegend unterschätzt habe.
Ich fand alles, was ich suchte, in diesem Buch. Eine tolle Protagonistin, einen spannenden Plot, innovative und fantastische Gestalten und immer wieder Plottwists, mit denen ich nicht gerechnet hatte. Von dem zart-verspielten Cover sollte man sich nicht ablenken lassen, diese Geschichte hat es wirklich in sich gehabt.

Mailin gefiel mir als Protagonistin wirklich gut. Besonnen, aber doch nicht auf den Mund gefallen, war sie ein angenehmer Charakter, dem ich gerne durch die Geschichte folgte. Auch die vielen Nebencharaktere gefielen mir gut. Einigen von ihnen fehlte es leider etwas an Tiefe, sodass diese für mich blass und farblos blieben. Es wurde sich mehr auf die Charakterentwicklung von zwei Charakteren fokussiert, sodass der Raum für die Entwicklung der Nebencharakter nicht immer gegeben war. Auch wenn ich es nicht weiter dramatisch finde, so ist es doch etwas schade. Denn die Autorin hätte definitiv das Können dafür gehabt!

Das Setting und World Building haben mir für ein Jugendbuch wirklich sehr gut gefallen. Lyaskye war toll ausgearbeitet und die Autorin konnte mich mit ihrer Fantasie begeistern. Die Lebewesen, die Lyaskye bevölkern, fand ich grandios und hätte mir noch mehr Szenen und noch mehr Lebewesen gewünscht. Auch wenn es ein sehr gieriger Wunsch ist, wurden doch genug Geschöpfe vorgestellt. Aber ich bin so angetan von der Fantasie der Autorin, dass ich ein ganzes Buch voller Beschreibungen der Welt und der sie bevölkernden Wesen lesen würde.

Der Plot war super gut ausgearbeitet und konnte mich immer wieder durch nicht ganz vorhersehbare Wendungen überraschen. Ich wollte das Buch nicht aus der Hand legen und las die letzten 200 Seiten wie im Rausch abends im Bett – auch wenn ich vorgehabt hatte, früh schlafen zu gehen. An Schlaf war wahrlich nicht zu denken gewesen, ich musste einfach immer weiter lesen. Ein Gefühl, dass ich inzwischen leider viel zu selten habe. Umso glücklicher bin ich über die Situationen, wenn sie dann mal kommen und schätze sie viel mehr wert als früher. One True Queen ist für mich eine Geschichte gewesen, die mich in ihrem Sog gefangen nahm und bis zum Ende hin nicht mehr losließ.

Der Schreibstil ist angenehm zu lesen und passt durch Verwendung der Umgangssprache gut zu dem Genre. Mir gefiel der Witz und Humor gut, der auch in den schlimmsten Situationen zu Tage trat und das Geschehen etwas auflockerte.

Ich erwarte jetzt ganz gespannt das Erscheinen des zweiten Bandes!
Faszinierende Familiensaga 19. September 2019
von Anja
Für Silvie Thalheim steht fest, dass das Kaufhaus der Familie, anders als bei ihrer älteren Schwester Rike, niemals ihr Lebensmittelpunkt sein wird. Silvies berufliches Interesse liegt nach wie vor beim Radio. Ihre Stimme und ihre Ideen kommen gut bei Vorgesetzten und Hörern an. Deshalb hält sie sich in den Belangen, die das Kaufhaus betreffen, eher zurück. Zumal ihr aus der Gefangenschaft zurückgekehrter Zwillingsbruder Oskar, vom Vater in die Geschäftsleitung berufen wurde. Seine Eskapaden lösen bei Rike große Besorgnis aus. Doch der Vater lässt nichts auf den männlichen Nachfolger kommen. Als sich dann noch ein Konkurrent in die Geschäfte einzumischen droht und versucht, die Thalheims zu vernichten, muss Silvie doch eingreifen.....

Nach "Die Schwestern vom Ku'damm - Jahre des Aufbaus" ist "Die Schwestern vom Ku'damm - Wunderbare Zeiten" der zweite Band der 50er-Jahre-Trilogie von Brigitte Riebe. Im Zentrum der Handlung stehen die drei Thalheim-Schwestern. Im ersten Teil lag der Fokus auf der ältesten Tochter Rike und in diesem Folgeband steht nun Silvie Thalheim im Zentrum der Ereignisse. Auch wenn man der Handlung des zweiten Teils sicher auch dann folgen kann, wenn man den Auftakt der Trilogie nicht gelesen hat, empfiehlt sich bei dieser Serie die Einhaltung der Reihenfolge. Denn man verdirbt sich sonst den Lesespaß, da Brigitte Riebe hier wirklich außergewöhnliche Protagonisten erschaffen hat, deren Weiterentwicklung als Einzelpersonen, aber auch als Familienmitglieder, es zu beobachten gilt. Da die Charaktere so lebendig wirken, fühlt man sich beim Lesen schon bald wie ein weiteres Mitglied der Familie Thalheim und folgt fasziniert dem Geschehen.

Der Folgeband knüpft beinahe nahtlos an das Ende des vorherigen Teils an. Durch kurze Rückblicke, die wunderbar in die aktuelle Handlung eingebettet sind, ist man sofort wieder mitten im Geschehen und freut sich über ein Wiedersehen mit den bereits bekannten Charakteren. Dieses Mal steht Silvie im Zentrum der Ereignisse. Im ersten Teil war sie schwer einzuschätzen und wirkte leicht egoistisch. Doch nun erhält man die Chance, sie besser kennenzulernen. Und die Silvie, die hier im Mittelpunkt steht, scheint ein vollkommen anderen Mensch zu sein, als die Silvie aus dem Auftaktband. Man kann sich vom ersten Moment an mit ihr identifizieren und dabei ihre Träume, Wünsche und Sorgen nachvollziehen. Silvie ist eindeutig das Herz der Familie. Brigitte Riebe schafft es wieder hervorragend, nicht nur die Ereignisse innerhalb der Familie fesselnd zu schildern, sondern außerdem, die ganz besondere Atmosphäre dieser Zeit einzufangen und zu vermitteln. Denn historische Begebenheiten werden so interessant in die Handlung eingeflochten, dass man das Gefühl hat, hautnah dabei zu sein. Dabei werden sowohl die Ereignisse im West-, als auch im Ostteil Berlins einbezogen.

Langweilig wird es in dieser Familie nie. Denn das Schicksal hat für die einzelnen Mitglieder einiges vorgesehen. Man kann sich also auf eine wahre Achterbahnfahrt der Emotionen einstellen. Auch wenn man manchmal das Gefühl hat, dass es schon fast zu viele Schicksalsschläge sind, die die Familie hier einstecken muss, schafft es Brigitte Riebe mühelos, diese so glaubhaft zu schildern, dass sie zu Herzen gehen und nicht ins Kitschige abdriften. Dieser Spagat ist ihr hervorragend gelungen. Denn so fiebert man mit den Thalheims mit, gerät in den Sog der Ereignisse und mag das Buch erst aus der Hand legen, wenn man am Ende angekommen ist.

Ich habe bereits den Auftaktband mit Begeisterung verschlungen und konnte diese Fortsetzung deshalb kaum erwarten. Brigitte Riebe ist es vom ersten Moment an wieder gelungen, dass ich mich als Teil der Familie gefühlt habe und mit den Charakteren mitgefiebern konnte. Dabei hat mir besonders gut gefallen, dass der historische Hintergrund sich so hervorragend mit der packenden Familiengeschichte verknüpft hat. Von mir gibt es deshalb eine begeisterte Leseempfehlung und ich freue mich bereits jetzt auf ein Wiedersehen mit der Familie Thalheim.
Eine liebevolle Familie 19. September 2019
von begine


Der größte Spaß, den wir je hatten, ist der erste Roman der Autorin Claire Lombardo.
Das Buch wurde von Silvia Spatz übersetzt.

Der Roman zeigt die Geschichte der Familie Sorenson. Die Eltern David und Marilyn sind 40 Jahre verheiratet, als ihr und das Leben der vier Töchter erzählt wird.Jede hat ein anderes Problem. Wendy, die Älteste, ist zwar reich, aber sie hat ihren Mann verloren und ihr Kind war tot geboren.
Violet ist verheiratet und hat zwei Söhne und seit kurzem lebt ihr unehelicher Sohn bei den Eltern. Liza hat gerade ein Kind bekommen und die Jüngste Grace hat einige Probleme.

Die Autorin lässt den Roman sehr genau und liebevoll immer wieder vor und zurück führen.
Der Leser wird Teil dieser Familie. Nur ist er mir etwas zu lang. Es wird vieles aus verschiedenen Ansichten erzählt, dadurch wiederholt sich manches.
Der Kardinal im Ölfass 19. September 2019
von Ele95
Die geheime Mission des Kardinals, Roman von Rafik Schami, 432 Seiten, erschienen im Hanser Verlag.
Ein italienischer Kardinal, eine geheime Mission, ein Mord in Damaskus
An der italienischen Botschaft in Damaskus wird ein Fass angeliefert, beim Öffnen des Fasses ergibt sich eine grausige Entdeckung, darin befindet sich die in Olivenöl eingelegte Leiche eines von Rom nach Syrien entsandten Kardinals. Kommissar Barudi der kurz vor seiner Pensionierung steht, ermittelt. An seiner Seite der aus Italien angeforderte Kollege Commissario Mancini. Die beiden ermitteln zusammen und werden Freunde, ob sie das Geheimnis um den Tod des Kardinals lösen können, schildert dieses Buch.
Der Plot klingt nach Krimi doch der Autor Rafik Schami erzählt viel mehr. Das Buch ist ein Porträt der syrischen Gesellschaft am Rande des bevorstehenden Bürgerkriegs, die Beschreibung einer beginnenden Männerfreundschaft, eine Liebes- und Lebensgeschichte.
Schamis Erzählungen gehen nie den direkten Weg, sie führen über Umleitungen, Seitenstraßen und Sackgassen ans Ziel. Die Liebesgeschichte Barudis mit der Nachbarin ist ein Beispiel, seitenlang beschreiben Tagebucheinträge über seine schon früh verstorbenen Frau, die grenzenlose Liebe und die immerwährende Sehnsucht, seine Einsamkeit. Und plötzlich zaubert der Autor eine, für den Fall völlig unnötige Liebesgeschichte mit der Nachbarin Nariman aus dem Hut.
Mit der Lektüre des Buches habe ich mich schwergetan, eigentlich bin ich anhand der Leseprobe von einem spannenden Kriminalfall ausgegangen. Doch die eigentliche Geschichte handelt von der Kritik an der Regierung, von Clan-Wirtschaft, von korrupten Beamten, von Wunderheilern, Aberglauben und dem damit verbundenen Schwindel. Von mafiösen Strukturen bis in die höchste Kirchenhierarchie. Die Freundschaft mit dem italienischen Commissario, der perfekt arabisch spricht, dagegen, hat mir gefallen. Mancini teilt mit Barudi so manches. Die Liebe zu starkem Kaffee mit Kardamom, zu Falafel und auch die kritische Einstellung gegenüber der jeweiligen Regierung. Die beiden teilen sich nicht nur die Ermittlungen sondern erzählen sich auch aus ihrem Leben. Mancini und Barudi sind beide höchst sympathische Figuren, sie agieren authentisch und nachvollziehbar. Die Vielzahl der Charaktere hat mir die Lektüre jedenfalls erschwert. Dieses Buch flüssig zu lesen ist schier unmöglich solange lese ich i. d. R. an keinem Buch, ich konnte es auch aus der Hand legen und ein paar Tage später erst weiterlesen. Immer wieder habe ich beim Lesen den Faden verloren und musste zurückblättern. Interessant war es, ja, aber nicht besonders spannend. Auch die Auflösung des Falles war kompliziert und für mich unbefriedigend, am Ende war ich so frustriert wie Barudi.
Ein Gesellschaftroman mit kriminalistischem Hintergrund. Eine Empfehlung von mir, hauptsächlich für die Fans des Autors und 3 Sterne.

Der kardinal im Ölfass 18. September 2019
Die geheime Mission des Kardinals, Roman von Rafik Schami, 432 Seiten, erschienen im Hanser Verlag.
Ein italienischer Kardinal, eine geheime Mission, ein Mord in Damaskus
An der italienischen Botschaft in Damaskus wird ein Fass angeliefert, beim Öffnen des Fasses ergibt sich eine grausige Entdeckung, darin befindet sich die in Olivenöl eingelegte Leiche eines von Rom nach Syrien entsandten Kardinals. Kommissar Barudi der kurz vor seiner Pensionierung steht, ermittelt. An seiner Seite der aus Italien angeforderte Kollege Commissario Mancini. Die beiden ermitteln zusammen und werden Freunde, ob sie das Geheimnis um den Tod des Kardinals lösen können, schildert dieses Buch.
Der Plot klingt nach Krimi doch der Autor Rafik Schami erzählt viel mehr. Das Buch ist ein Porträt der syrischen Gesellschaft am Rande des bevorstehenden Bürgerkriegs, die Beschreibung einer beginnende Männerfreundschaft, eine Liebes- und Lebensgeschichte.
Schamis Erzählungen gehen nie den direkten Weg, sie führen über Umleitungen, Seitenstraßen und Sackgassen ans Ziel. Die Liebesgeschichte Barudis mit der Nachbarin ist ein Beispiel, seitenlang beschreiben Tagebucheinträge über seine schon früh verstorbenen Frau, die grenzenlose Liebe und die immerwährende Sehnsucht, seine Einsamkeit. Und plötzlich zaubert der Autor eine, für den Fall völlig unnötige Liebesgeschichte mit der Nachbarin Nariman aus dem Hut.
Mit der Lektüre des Buches habe ich mich schwergetan, eigentlich bin ich anhand der Leseprobe von einem spannenden Kriminalfall ausgegangen. Doch die eigentliche Geschichte handelt von der Kritik an der Regierung, von Clan-Wirtschaft, von korrupten Beamten, von Wunderheilern, Aberglauben und dem damit verbundenen Schwindel. Von mafiösen Strukturen bis in die höchste Kirchenhierarchie. Die Freundschaft mit dem italienischen Commissario, der perfekt arabisch spricht, dagegen, hat mir gefallen. Mancini teilt mit Barudi so manches. Die Liebe zu starkem Kaffee mit Koriander, zu Falafel und auch die kritische Einstellung gegenüber der jeweiligen Regierung. Die beiden teilen sich nicht nur die Ermittlungen sondern erzählen sich auch aus ihrem Leben. Mancini und Barudi sind beide höchst sympathische Figuren, sie agieren authentisch und nachvollziehbar. Die Vielzahl der Charaktere hat mir die Lektüre jedenfalls erschwert. Dieses Buch flüssig zu lesen ist schier unmöglich solange lese ich i. d. R. an keinem Buch, ich konnte es auch aus der Hand legen und ein paar Tage später erst weiterlesen. Immer wieder habe ich beim Lesen den Faden verloren und musste zurückblättern. Interessant war es, ja, aber nicht besonders spannend. Auch die Auflösung des Falles war kompliziert und für mich unbefriedigend, am Ende war ich so frustriert wie Barudi.
Ein Gesellschaftroman mit kriminalistischem Hintergrund. Eine Empfehlung von mir, hauptsächlich für die Fans des Autors und 3 Sterne.

Dead Lions
von Mick Herron
Exzellente Unterhaltung 18. September 2019

Wer’s britisch und etwas bizarr mag, ist bei ,,Dead Lions“, dem 2. Band um die Agenten-Außenstelle des MI5, genau richtig. Jackson Lamb, Chef der Gurkentruppe, schart um sich diejenigen Agenten, die es beim eigentlichen Geheimdienst so vergeigt haben, dass sie nun im Slough House aufs Abstellgleis abgeschoben wurden. Hier werden sie mit langweiligen und völlig sinnfreien Aufgaben betraut, in der Hoffnung, dass sie irgendwann von selbst den Dienst quittieren. Allerdings gibt es ein paar wenige unter ihnen, die unbedingt zum richtigen MI5 zurückkehren und sich beweisen wollen. Zwei der in Anlehnung ihrer Arbeitsstätte zynisch als Slow Horses bezeichneten Mitarbeiter wittern ihre große Chance, als sie den Auftrag erhalten, einen russischen Oligarchen bei seinem Geschäftsaufenthalt in London zu schützen. Ihnen wird bald klar, dass dies keine leichte Aufgabe ist. Und offenbar wurden sie als ,,Lahme Gäule“ bewusst für diese gefährliche Aufgabe ausgewählt. Denn nicht nur der russische Oligarch, sondern auch Mitarbeiter des Geheimdienstes spielen ein doppeltes Spiel.
Jackson Lamb geht unterdessen dem rätselhaften Tod eines früheren Geheimdienstmitarbeiters aus Zeiten des Kalten Krieges nach.
Er behandelt seine Untergebenen wie auch generell seine Mitmenschen wie den letzten Dreck, dennoch ist er keine völlig unsympathische Figur. Bequem und träge, aber überaus intelligent, erkennt er die komplexen Zusammenhänge und versteht es meisterhaft, seine Gegner und auch den Leser immer wieder hinters Licht zu führen.
Schrullige Charaktere, teils merkwürdige und schräge Dialoge machen den Witz dieser Lektüre aus. Wer den ersten Teil ,,Slow Horses“ nicht gelesen hat, wird sich zu Beginn etwas schwer tun. Dennoch kann der Agentenkrimi durch die wendungsreiche Handlung, aber auch durch den Wortwitz, originelle Metaphern und eine sehr anschauliche, teils auch derbe Sprache bestens unterhalten.
Großer Entdecker-Spaß 18. September 2019
Die Reihe des Ravensburger Verlags Wieso? Weshalb? Warum? ist nicht ohne Grund so erfolgreich. Viele viele Themen werden auf eine leichte Weise erklärt und immer wunderbar illustriert. Und einer der Highlight sind die Klappen, die alle Bücher haben.
Dieses Buch aus der Reihe hat die Besonderheit, dass es wirklich ein großes Buch ist! Es ist ein wahrlich riesiges Buch und daher besonders dafür geeignet, wenn sich mehrere Kinder zusammen ein Buch (auf dem Boden) anschauen.
Alleine halten kann man es frühestens mit 6-7 Jahren.
Aber nun zum Inhalt, was sehen die Kinder in diesem Buch? „Das große Wimmelwissen“ hat thematisch verschiedenen Seiten die unabhängig voneinander sind. Es bietet alles was ein großes Szenario braucht wie ein Feuerwehreinsatz, ein Bauernhof oder das Entdecken einer Stadt beispielsweise.
Die Altersangabe ist wie immer für 4-7 Jahre. Ich würde sagen, dass man auch mit 3 Jahren in diesem Buch vieles einfach entdecken kann. Der Text kann später kommen. Ich zweifle eher, dass ein 7jähriges Kind noch Interesse an diesen Wimmelbildern hat.
Ich würde den Alterskorridor eher bei 3-6 Jahren setzen.

Fazit: Dieses Wimmelbuch sollte zur Grundausstattung von Kindergärten gehören. Es kann zu vielen Konversationen themenbezogen anregen!

Was machen Tagträumer nachts?
von Susanne Niemeyer
Der Himmel in Kobaltgrün 18. September 2019
Dieses Buch ist ein Versuch, der Neugier auf die Spur zu kommen. Die Autorin Susanne Niemeyer unterscheidet dabei zwischen Neugier und Voyeurismus. Das halte ich für wichtig, denn das eine zeugt von Anteilnahme, das andere ist purer Eigennutz und schädlich.

Die gesunde Neugier kann auch verloren gehen, zum Beispiel im Alltag.
Susanne Niemeyer ist daher dem Lebensgefühl auf der Spur, in der Neugier positiv besetzt ist und viele kurze Abschnitte sind mit richtungsweisenden Schlagwörtern besetzt. Ihr eigenes Leben nutzt sie als Pfad für die Suche und gelangt dann auch in die Lebensabschnitte der Vergangenheit, der Kindheit und der Familie.

Wieder ein sehr schönes Buch vom Herder-Verlag!
1 | 2 | 3 | 4 | 5 | 6 | 7 | 8 | 9 | ... | 1406 | 1407 | 1408 | 1409 | 1410 | 1411 | 1412 | 1413 | >>