Rezensionen

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Der Zauber von Somerset
von Pippa Watson
Mein neues Herzensbuch – einfach nur wundervoll!! 16. Juni 2019
Pippa Watson hat mit ihrem Werk nicht nur einen zauberhaften Roman für alle Tierliebhaber, Fans von Südengland und Lesern von Wohlfühlbüchern geschrieben, sie hat mir damit auch zu einem Rückzugsort vom Alltag (samt aller Sorgen und Wehwehchen) verholfen, an den ich nun gedanklich immer wieder zurückkehren kann. Selten habe ich mich mit der Bewertung eines Buches so schwergetan, weil ich jede Formulierung im Kopf immer und immer wieder umwerfen musste, nach dem Motto: 'großartig ist noch nicht gut genug'! Innerhalb von kurzer Zeit habe ich dieses wunderschöne Werk gleich mehrfach hintereinander gelesen und bekomme einfach nicht genug davon. Es ist ein Buch, das glücklich macht – und das nicht nur Tierfreunde begeistern wird. …ein Buch über die Sehnsucht nach einem Neubeginn, über Freundschaft und Liebe, über Heilung und das wichtige Thema Tierschutz – allerdings nie mit mahnendem Zeigefinger, sondern stets einfühlsam. …ein Buch zum Immer-wieder-lesen.

Allein das zauberhafte Cover lädt zum Zurücklehnen und Entspannen ein – am liebsten möchte man es sich gleich in dem kleinen, urigen Cottage gemütlich machen – oder mit dem niedlichen, wuscheligen Hund durch die malerische Landschaft spazieren!

Es war das erste Buch von Pippa Watson für mich – und bereits während der Lektüre wanderten ihre weiteren Werke auf meine Wunschliste. Habe ich schon erwähnt, wie hingerissen ich von diesem Buch bin? Ja? Macht nichts, dieser traumhafte Roman kann eben nur in Superlativen beschrieben werden und das zu Recht!

Ort der Handlung ist das idyllische Meadows Cottage, ein Ferienhaus umgeben von atemberaubend schöner Landschaft, wohin es - unabhängig voneinander - die beiden Hauptfiguren Amber und Finian verschlägt, aus deren beider Perspektiven abwechselnd erzählt wird. Sie kennen einander nicht und sind sich lediglich aufgrund eines Buchungsfehlers begegnet, beschließen jedoch, das Beste aus der Situation zu machen und das Cottage gemeinsam zu bewohnen. Amber hofft auf ein wenig Ablenkung von der Trauer um einen nahestehenden Menschen und auch Finian kämpft mit Ängsten, die sich um einen Verlust, wenn auch gänzlich anderer Art drehen. Abgesehen davon, dass beide Figuren unheimlich liebevoll beschrieben, in ihren Wesenszügen facettenreich und beeindruckend realitätsnah dargestellt werden, ist mir besonders positiv aufgefallen, dass es sich bei Amber und Finian um gestandene, erwachsene und in ihrem Denken und Handeln reife Personen handelt. Beide Figuren wären jemand, mit dem ich gerne befreundet wäre; sie zeichnen sich insbesondere durch ihre Loyalität und Gutmütigkeit aus. Weiterhin erfrischend und von vielen Liebesromanen abweichend ist die Tatsache, dass die Autorin in keiner Weise in Klischees verfällt – weder in der Kennenlernphase der Figuren noch in der weiteren Entwicklung der Handlung; gegen Ende kommt es sogar zu einer ziemlich überraschenden Wendung. Auch Tiere werden nicht nur als putziges Zusatzelement eingefügt (- Wie oft wird in anderen Romanen mit Tierbezug der Hund lediglich aufs Gassi gehen reduziert?! -), sondern sind ein fester, herzerwärmender Bestandteil der Handlung. Beide Großstädter sehnen sich nach Ruhe – und wünschen sich, ihren persönlichen Frieden zu finden. Die Nebencharaktere sind ebenso intensiv wie die Hauptfiguren ausgearbeitet worden und stellen eine perfekte Ergänzung dar – vor allem der sympathische Wirbelwind Harriet ist eine grandiose, strahlende Persönlichkeit.

Die bildreichen Landschaftsbeschreibungen sind ein weiteres Highlight dieses Werkes. Ich lese ja wirklich oft Wohlfühlromane, aber hier taucht man tatsächlich ganz und gar in die Umgebung ein. Ich kann mir gut vorstellen, dass eine Vielzahl der Leser nach der Lektüre Südengland auf die Liste ihrer zukünftigen Reiseziele setzen werden. Man spürt richtig, welch innige Beziehung die Autorin zu Großbritannien hat und dass sie ein Herz für Tiere hat. Mit ihrem angenehmen Schreibstil, der es schafft, einen zugleich zur Ruhe kommen zu lassen und dennoch zu fesseln, baut sie eine einladende Atmosphäre auf, der man sich nicht entziehen kann. Für mich war dieses Buch der Glücksgriff des bisherigen Jahres und überhaupt eines der besten Bücher, die ich je gelesen habe. Liebe Pippa Watson, haben Sie herzlichen Dank für dieses wundervolle Werk!

Fazit: Besser geht es nicht! Ich liebe dieses Buch…! Unbedingt lesen!!

So schöne Lügen
von Tara Isabella Burton
Ein Buch, das polarisiert …leider nicht mein Fall! 16. Juni 2019
New York City – nicht erst seit Frank Sinatra’s Hit verkörpert diese Stadt wie kaum eine andere einen Ort der Hoffnungen, an dem Träume wahrwerden können. Zugleich ist es auch eine Stadt der Extreme, in der Reputation und Kapital scheinbar den Takt angeben. Als eingefleischter Fan von The Big Apple war Tara Isabella Burtons Werk ein Muss für mich, zumal ich in letzter Zeit viele zauberhaft-romantische Wohlfühlromane gelesen hatte und nun nach etwas Spannung und Großstadt-Flair durstete. Wäre ich mal lieber in meinem gewohnten Genre geblieben!

Allein das wunderschöne Cover hat mich in seinen Bann gezogen und ich musste förmlich nach diesem edel aussehenden Buch greifen. Die Covergestaltung in den Farben Schwarz und Gold ist absolut passend zur Glitzer-und-Glamour-Society, in der die Figuren sich bewegen, gewählt worden.

Leider bin ich mit keiner der beiden Hauptfiguren, Louise und Lavinia (- beide auf ihre eigene Art unsympathisch und durch eine zweifelhafte Hass-Freundschaft verbunden -), warmgeworden. Mehr noch: ich konnte sie nicht ausstehen. Abgesehen davon, dass man im Hinblick auf Eitelkeit, Geltungsbedürfnis, Neid und Oberflächlichkeit mit solchen 'Freunden' keine Feinde mehr braucht, hat mich ihr Verhalten schockiert und einfach nur abgestoßen.

Selten habe ich einen Roman gelesen, der in solchem Ausmaß von vulgären, plumpen und schlichtweg furchtbaren Ausdrücken gestrotzt hat. Mir kam es so vor, als wäre hinsichtlich der Wortwahl bewusst etwas übertrieben worden, um den Eindruck einer hippen, jugendlichen Sprache zu erwecken – was leider nicht nur unheimlich künstlich wirkte, sondern auch aufgrund des Fremdschäm-Potentials den gesamten Leseeindruck für mich geschmälert hat. Insgesamt würde ich den Schreibstil als eher ungewöhnlich beschreiben. Nach einem interessanten Start verlor die Geschichte zügig an Spannung und plätscherte fortan eher langweilig und langatmig vor sich hin. Die Dialoge waren teilweise peinlich hohl und nichtssagend, genauso oberflächlich wie die Bussi-Bussi-Gesellschaft der lokalen Partyszene, in der der wahre Wert eines Menschen scheinbar nicht mehr zählt.

Gegen Ende des Werkes schaffte es die Autorin jedoch, mich hinsichtlich Louise nochmal zu überraschen – mehr möchte ich hier nicht verraten. Insgesamt regt die Thematik rund um das Social Media-Verhalten der Figuren zwar zum Nachdenken an, aber die ansonsten dermaßen realitätsfremde Handlung hinterließ bei mir einen eher schalen, ernüchterten Geschmack. Hier war das Cover wirklich das Einzige, was mich begeistern konnte; daher vergebe ich einen Stern für die optische Aufmachung und den zweiten Stern für die eigentlich interessante Grundidee, deren Potential leider überhaupt nicht ausgeschöpft worden ist.

Fazit: Recht enttäuschend; dieses Buch war einfach überhaupt nicht mein Fall. Kann man mal gelesen haben, wenn man sehr viel Zeit und Langeweile hat – muss man aber nicht.

Siebzehnter Sommer
von Maureen Daly
Siebzehn 16. Juni 2019
'Siebzehnter Sommer' ist ein eher unaufgeregter Liebesroman, der die erste Liebe eines jungen Mädchens nachzeichnet. Aus heutiger Sicht lesen sich einige Passagen etwas fremd, was daran liegt, dass dieses Buch bereits 1942 erschienen ist.
Vor diesem Hintergrund wird die Geschichte nochmals in ein anderes, spannenderes Licht gerückt. Zur damaligen Zeit wurden die Vorgehensweisen sicher in ein adäquates Licht gestellt, inzwischen sind mir viele Gedanken und Bräuche fremd. Daher fiel es mir sehr schwer mich in die Protagonistin hinein zu denken.
Dennoch habe ich in diesem Buch eine schöne, seichte Lektüre gefunden. Inhaltlich passiert eher wenig, was durchaus reizvoll ist - so konnte ich ich eher auf die Protagonisten konzentrieren. Aber auch hier fiel es mir teilweise schwer mit der heutigen Denkweise und den dort beschriebenen Dingen konform zu gehen.

Intrigen am Lago Maggiore
von Bruno Varese
Der 2. Fall für Matteo Basso 16. Juni 2019
Matteo Basso, Ex-Polizeipsychologe, hat sich in seiner neue Heimat am Lago Maggiore eingewöhnt. Nach einer Feier für einen seiner drei Mechaniker-Freunde wird auf der kleinen Insel Isola Bella am nächsten Morgen ein Toter gefunden. Der Fotograf Vittorio Ferretti aufgespießt auf dem Horn eines Einhorns, dass als Wahrzeichen im Park der Insel Isola Bella steht. Und was bedeutet die herausgeschnittene Rippe? Nachdem wenige Tage später auf der Landzunge der Insel das Skelett einer weiblichen Toten gefunden wird, hat Matteo die offizielle Erlaubnis hier bei den Ermittlungen, die sich auch diesmal sehr schwierig gestalten, behilflich zu sein.


Dies ist der zweite Fall für Matteo Basso und auch hier erfahre ich wieder einiges aus seinem hinter ihm liegenden Privatleben. Nun weiß ich, warum ihn seine Frau verlassen und er Mailand der Rücken gekehrt hat. Während Matteo, diesmal sogar mit Rückendeckung von Kommissarin Nina Zanetti in den anstehenden Mordangelegenheiten unterwegs ist, kümmern sich seine drei Mechaniker-Freunde Beppo, Flavio und Luigi darum, dass die Kunden der Macelleria nicht ohne Wurst da stehen. Die Drei mag ich besonders wegen ihres Humors und ihrem großen Herzen.
Obwohl Matteo Basso Psychologe ist, reagiert er auch hier manchmal wieder sehr unbedacht und bringt sich damit selbst in Gefahr. Aber vielleicht lernt er es ja noch.
Die Annäherung der Kommissarin und des Psychologen/Metzgers geht in die nächste Phase. Sie sind schon beim Du angekommen und ich sehe weiterhin kleine Schmetterlinge fliegen.

In diesem Kriminalfall komme ich an die unterschiedlichsten Handlungsorte, bei denen ich anfangs nicht weiß, ob und wie sie alle zusammenhängen. Zusammen mit Matteo ermittle ich auf der legendären Mailänder Galopprennbahn, besuche mit ihm zusammen eine berühmte Wallfahrtskirche in den Bergen und lasse mich mit ihm durch ein humanbiologisches Forschungslabor führen. Und wahrhaftig führen alle Spuren und losen Fäden schließlich zusammen und ergeben eine schlüssige Auflösung des Falles. Mir gefällt sehr gut, dass der gesamte Krimi eine gewisse Ruhe ausstrahlt, ohne ausufernde Action und viel Blutvergießen auskommt und trotzdem sehr spannend und interessant ist.

Wie schon in Band 1 sind auch hier auf den Rückseiten des Covers zwei Landkarten mit dem Lago Maggiore und den einzelnen Orten abgebildet. Die immer wieder eingestreuten italienische Vokabeln und die wunderschönen Beschreibungen der Landschaft rund um den Lago Maggiore verbreiten Urlaubsfeeling.

Ich habe mich wieder von Balkonien an den Lago Maggiore treiben lassen, wurde sehr gut unterhalten und bin schon auf den 3. Fall von Matteo Basso und Nina Zanetti gespannt.

Die Tote am Lago Maggiore
von Bruno Varese
Spannender Beginn neuer Fälle am Lago Maggiore 16. Juni 2019
Matteo Basso ist irritiert, weil seine Angestellte und platonische Freundin Gisella Tonetti nicht wie gewohnt an ihrem Arbeitsplatz, Matteos Metzgerei, erscheint. Kurze Zeit später wird sie im Am Strand des Lago Maggiore gefunden. Tot. Ertrunken. Da sie eine sehr gute Schwimmerin war, will Matteo nicht an einen Badeunfall glauben. Und obwohl Kommissarin Nina Zanetti ihn bittet, sich aus den Ermittlungen heraus zu halten, kann er es nicht lassen und stellt seine eigenen Ermittlungen an.


„Wer Seelen sezieren kann, der wird es doch mit ein paar Kälberhälften aufnehmen können.“
Dieses Zitat beschreibt sehr gut die Wandlung Matteo Bassos vom erfolgreichen, angesehenen und gut situierten Polizeipsychologen in Mailand zum Metzger in der Marcelleria seiner verstorbenen Eltern in Cannobio am Lago Maggiore. Warum Matteo seinen Arbeitsplatz in Mailand aufgegeben hat, erfahre ich hier noch nicht. Aber es scheint etwas mit seiner Exfrau Teresa zu tun zu haben. Den Liebhaber von Opern, seinem Lancia-Oldtimer und überzeugter Raucher seiner Lieblingsmarke Futura habe ich wegen seiner ruhigen, überlegten, etwas zurückgezogenen Art sofort ins Herz geschlossen.
Zusammen mit seiner Gegenspielerin, der Kommissarin Nina Zanetti, deren Vater er in Mailand schon behandelt hat und in dessen Fußstapfen die Tochter getreten ist, gegen die Beiden ein interessantes Ermittlerpaar ab. Mir scheint, ich habe da auch schon ein paar klitzekleine Schmetterlinge zwischen ihnen fliegen sehen.
Auch die vielen anderen Protagonisten stellt mir der Autor so menschlich, nahbar und ausgestattet mit den verschiedensten Charakterzügen vor, dass ich schnell ein ziemlich klares Bild jeden Einzelnen vor Augen habe. Besonders mag ich hier die drei alten Mechaniker Beppo, Luigi und Flavio, die sich herrlich über Politik und Fußball streiten können, aber immer für Matteo da sind, wenn er sie braucht. Ihnen gelingt sogar die traditionelle Salsiccia, mit der Matteo immer noch seine Schwierigkeiten hat. Und mir zaubern die Drei mit ihrem Humor ein kleines Lächeln ins Gesicht.

Zeigt mir das Cover bereits einen kleinen Ausschnitt des Flairs, den der Lago Maggiore verbreitet, so steigert sich mein Bild im Laufe der Geschichte zur absoluten Schönheit mit seinen kleinen malerischen Dörfern abseits der Touristenroute, seinen kulinarischen Spezialitäten und seinen authentischen Menschen, die hier leben.

Das Thema des Krimis ist aktueller denn je. Geht es hier doch im Großen um die Flüchtlingswelle, die auch heute Italien immer noch an seine Grenzen stoßen lässt. Gut eingearbeitet darin die privaten Sequenzen von Basso, so dass ich ihn mit den Seiten immer besser kennenlerne. Allerdings lenkt das von der eigentlichen Krimihandlung nicht ab. Da findet der Autor gekonnt ein Maß, das Beides gut harmonieren lässt. Anfangs dachte ich, dass sich der Fall schnell lösen lassen würde, was ich aber bald aufgegeben habe. Es ergeben sich immer wieder neue Ansätze, die sich aber als Sackgasse entpuppen. Ich wurde überrascht von einer für mich nicht vorhersehbaren, aber schlüssigen Aufklärung. Genau so wie ich es mag.

Ich habe mich einige Stunden lang von Terrassien in den sonnigen Süden an den Lago Maggiore entführen lassen, wurde bestens unterhalten, mit einer komplizierten Geschichte, die ohne großes Blutvergießen und Action auskommt und dennoch so spannend ist, dass ich mir davon mehr wünsche.

Mein Leben als Sonntagskind
von Judith Visser
Sonntagskind 16. Juni 2019
'Mein Leben als Sonntagskind' von Judith Visser ist ein gut geschriebener Roman über das Aufwachsen mit unentdecktem Asperger. Für mich als Person, die beruflich viel mit Menschen aus dem Autismusspektrum in Kontakt steht, war es nochmals besonders spannend, ein wenig "hinter die Kulissen" schauen zu können.
Teilweise fand ich das Buch ziemlich anstrengend zu lesen und musste längere Pausen einlegen. Ob es nun am Schreibstil oder der phasenweise etwas langgezogenen Handlung lag kann ich nicht genau differenzieren. Nichtsdestotrotz konnte mich das Buch schnell fesseln und ich habe Jasmijn gern begleitet und heranwachsen sehen.
Die Autorin hat selbst Asperger und somit konnte ich die Schilderungen als sehr authentisch und lebensnah einordnen.
Insgesamt ein tolles Buch, dass mir inhaltlich sehr sehr gut gefallen hat, jedoch für mich etwas schwierig zu lesen war. Daher keine volle Punktzahl.

Marina, Marina
von Grit Landau
Angenehme und zugleich tiefgründige Lektüre voller Italien-Flair 16. Juni 2019
Der Spruch "Don’t judge a book by its cover" erscheint mir bei Grit Landaus Roman über das Lieben und Leiden fünf italienischer Familien (und Nebenakteure) sehr passend. Mutet die in Sepia-Tönen gehaltene Fotografie auf dem Cover noch nach unbeschwerter Urlaubsatmosphäre an, war ich schon bald überrascht von dem Facettenreichtum der Figuren und der geschilderten Ereignisse, den ich so in einem Sommerroman nicht erwartet hätte.

Während der Lektüre erhält man nicht nur einen Einblick in die südländische Mentalität des Volkes (samt dem oftmals assoziierten 'italienischen Temperament'), sondern lernt auch viel über den historischen Background des Landes (z.B. im Hinblick auf die Partisanenkämpfe von 1944).

Das Werk, das von 1960 bis 1980 über verschiedene Zeiträume spielt, wird somit zu einer Reise in die Vergangenheit, in der wir mit den abwechselnden Hauptfiguren mitfiebern und auch die ein oder andere Träne verdrücken. Die Figuren rund um Marina verbindet vor allem eins: Amore! Aber neben der Suche nach der wahren Liebe erleben wir auch dramatische Szenen, die auf Eifersucht und Neid basieren, Verrat und jede Menge Geheimnisse - langweilig wird es nie, ganz wie im wahren Leben. Jedes der vierzehn Kapitel wird von einem bekannten Musiktitel eingeleitet (Vorsicht: Ohrwurm-Gefahr!), der stets eine ganz besondere Bedeutung für den jeweiligen Abschnitt hat. Die Sprünge zwischen den Handlungssträngen haben mich nicht gestört; gegen Ende des Romans fügen sich die Einzelschicksale schließlich zu einem stimmigen Gesamtbild.

Aufgrund der Vielzahl an Charakteren war das Personenregister zu Anfang des Buches eine hilfreiche Ergänzung für mich; auch die leckeren Rezepte, die ansprechende Gestaltung von Cover und Innencover (samt Karte), sowie das sehr umfangreiche angefügte Glossar, das Aufschluss über die zahlreichen miteingebundenen italienischen Begriffe gibt, zeugen von der Liebe der Autorin zum Detail. Für meinen Geschmack hätten es gerne ein paar Figuren weniger sein dürfen, was sicherlich dabei geholfen hätte, etwas mehr Nähe zu den verbleibenden Charakteren aufzubauen. Da ich eine alte Romantikerin bin, hat mir angesichts gewisser Schicksalsschläge doch recht das Herz geblutet – auch hier wäre vielleicht weniger mehr gewesen.

Durch die bildreichen Beschreibungen des italienischen Alltags wird man direkt in das kleine Örtchen Sant’Amato katapultiert. Der in der Tat sommerlich-leichte Schreibstil verführt zum Weiterlesen, bis man plötzlich am Ende des Werkes angelangt ist und feststellt, dass man noch nicht bereit ist, Abschied von der italienischen Riviera zu nehmen. Zeitgleich hatte ich das Gefühl, Italien nun ein Stück weit mit anderen Augen zu sehen.

Fazit: Viel mehr als eine Romanze unter südländischer Sonne! Eine Ode an Bella Italia und an die Liebe; spannend und humorvoll…ohne sich davor zu scheuen, auch mal traurigere Noten anzuschlagen.
Ein wunderbares Buch mit Humor und Ironie über Reizüberflutung und wie man dieser entgeht 16. Juni 2019
Sind Sie schon durchgedreht oder arbeiten Sie noch daran?
Wir leben in einem Zeitalter der Ängste und der überdrehten Schnelligkeit. Man könnte meinen, unsere gesamte Lebensweise wäre darauf ausgerichtet, uns ins Unglück zu stürzen. Der Life-Overload hat uns fest im Griff. Aber: Können wir etwas dagegen tun? Matt Haig beschäftigt sich intensiv mit der Frage, wie die lärmende Außenwelt unser Denken beherrscht und wie wir uns zur Wehr setzen können. Es geht um große und kleine Dinge, um Weltpolitik, Gesundheit, Smartphones, Social Media, Sucht, Vernetzung. Ein Buch, das uns alle angeht und das uns unserer eigentlichen Aufgabe wieder ein wenig näherbringt: dem Menschsein...(Klappentext)

☯☯☯☯☯

"Wir können über ALLES nachdenken. Und wenn wir nicht aufpassen, tun wir es irgendwann auch. Vielleicht müssen wir manchmal einfach mutig genug sein, alle Programme auszuschalten, damit wir uns selbst wieder anschalten können. Herunterfahren, um neu zu starten."
(S. 31)

Die Welt hat sich in den letzten Jahrzehnten verändert und zwar schnell und vor allem laut. Dadurch wurde auch das Leben schneller und auch lauter. Die Erwartungen von außen wurden höher, man verlangt aber auch von sich selbst schneller und besser zu werden, denn das wird uns ja von überall vor die Nase geknallt - TV, Zeitungen, das Web und seine Social-Media-Kanäle, in denen wir uns rumtreiben und auch diese wurden schneller, besser und vor allem ebenso lauter.
Wir hetzen hechelnd hinterher, denn das muss doch so sein, oder? Immerhin sagen DIE es uns ja. Was dabei jedoch häufig auf der Strecke bleibt ist die Menschlichkeit und ich spreche hier nicht von Nächstenliebe, etc.
Wir sind keine Roboter oder Cyborgs die unbegrenzt voller Elan alles geben können und die dabei kein Limit kennen. Irgendwann hat jeder von uns sein Limit erreicht, doch zugeben möchte das keiner, denn immerhin darf das nicht sein. Andere schaffen es auch - die, die sich in unserer Timeline unserer Social-Media-Kanälen tummeln und mit denen man sich austauscht, wenn man gestresst von der Arbeit oder vom Leben allgemein ist. Hier möchte man sich ablenken, etwas runterkommen und was passiert? Man ist danach eventuell noch gestresster, da alle anderen es scheinbar gebacken bekommen, nur man selbst nicht.
Mit sich selbst beschäftigt sich fast niemand mehr, keiner hört mehr auf die Signale seines Körpers oder seiner Psyche, und wenn wird eben mal auf Twitter oder Facebook nachgefragt. Stille und Ruhe? Fehlanzeige. In sich hineinhören? No and never, denn dann müsste man sich ja mit sich selbst beschäftigen, so richtig meine ich und außerdem - irgendjemand wird's sicher besser wissen.
Irgendwann kracht es dann anständig, man ist auf dem Boden, kommt nicht mehr hoch und fragt sich - WARUM?

"Wie oft wünschen wir uns, der Tag hätte mehr Stunden. Dabei wäre das nicht die Lösung des Problems. Denn wir haben nicht zu wenig Zeit. Wir haben nur von allem anderen zu viel."
(S. 87)

Nun gibt es diesbezüglich schon unzählige Ratgeber - Ratgeber, um sich selbst zu entschleunigen, sich selbst und die Ruhe zu fineden. Warum also dann noch einen lesen und wenn, wieso gerade diesen hier von Matt Haig?
Ganz einfach - weil es niemand auf so sympathische und humorvolle Art macht wie er und vor allem weiß er aus eigener Erfahrung von was er spricht.
Matt Haig leidet an Depressionen mit Angststörung und erzählt uns wie er es aus diesem Loch geschafft hat, bzw. immer wieder schafft.
Dieses Buch ist im Grunde auch kein richtiger Ratgeber, denn Matt Haig vollführt hier einen wahren Seelen- und Gefühls-Striptease und lässt uns Leser in seine Gedanken und vor allem seine Erkrankung blicken. Es liegt einem hier ein wahrer Erfahrungsbericht in den Händen, welcher tolle Denkanstöße und kleine, wie auch große Inputs enthält.

Dies erfolgt in gewohnt flüssigem Schreib- und lockeren Erzählstil, der nicht nur ruhige und ernste Töne anschlägt, sondern auch Ironie und Humor beinhaltet und vor allem nicht mit erhobenem Zeigefinger herumfuchtelt (auf so etwas reagiere ich persönlich ja besonders ablehnend).
Dabei geht der Autor auf verschiedene Themen ein, welche permanent auf uns einprasseln und uns somit auch permanent beschäftigen, wie z.B. Schönheitsideale, Social Media, die täglichen Nachrichten mit ihren Horrorereignissen, Politik, unsere Bewertungskultur, natürlich auf unseren täglichen Begleiter - das Smartphone und vor allem auf die Psychosomatik.

">>In der Natur<<, schreibt Alice Walker, >>ist nichts perfekt und alles ist perfekt. Bäume können noch so krumm sein und seltsam geformt, aber sie sind immer schön.<<"
(S. 71)

Manchmal scheint es der Autor jedoch mit dem Aufzählen verschiedener Eindrücke, Denkanstößen und Fakten zu übertreiben. Dies erstreckt sich manchmal über ein ganzes Kapitel und auch wenn diese dann bloß zwei Seiten betragen, war es mir dann doch irgendwann zu nervig und ich habe so manches nur quer gelesen.
Das ist jedoch Meckern auf äußerst hohem Niveau

Fazit:
Dies ist ein wunderbares und auch humorvolles Buch wie man in dieser chaotischen Welt Reizüberflutungen entgeht, aus Depressionen, Angststörungen immer wieder herausfindet und sich wieder auf sich selbst und somit auf die Menschlichkeit besinnt. Ich bin absolut nicht der Typ für Burn-Out oder dergleichen, aber selbst mir wurden die Augen geöffnet und selbst ich habe daraus sehr viel für mich mitnehmen können.
Dieses Buch ließ mich zustimmend nicken, nachdenklich an meinem Kaffee nippen und auch schmunzeln.
Für alle die in dieser chaotischen Welt wieder zu sich selbst finden , sich ihrer Menschlichkeit wieder bewusst werden wollen und für alle die einfach nur die Ruhe suchen.

© Pink Anemone (inkl. Leseprobe, persönl. Gründe für die Buchbestellung, Autoren-Info und Bilder)

"Schluss mit Selbstvorwürfen, weil du neben der Spur bist. Das Universum ist auch in keiner Spur. Galaxien treiben wild herum. Du bist einfach nur im Einklang mit dem Kosmos."
(S. 302)
Brutaler Politthriller macht nachdenklich 16. Juni 2019
Alexander Oetker hat einen zeitgeschichtlich aktuellen Thriller geschrieben. Die kriminellen Machenschaften von Politik, Polizei, Rechtsnationalismus, arabischer Terroristen und italienischer Mafia.
Europol, das Europäische Polizeiamt mit Sitz in Den Haag schickt seine besten Agenten, ZARA, Deutsch-Französin und Isaakson, Schwede, an die französische Südküste, um den Tod des syrischen Mädchens Aïicha aufzuklären und das kriminelle Netzwerk aufzudecken. ZARA, eine Autistin, unnahbar und mit unglaublicher Analyse- und Erkenntnisfähigkeit ausgestattet stößt an ihre Grenzen. Sie kann auf ihre Art nicht weiterermitteln. Sie bittet ZOË um Hilfe. Zoë ist die rechte Hand von Mafiaboss Bolatelli, das absolute Ass in seiner Organisation. ZARA und ZOË sind Zwillingsschwestern, aufgewachsen in Nizza. Die Familie ist durch den kriminellen Vater zerbrochen, ZARA und ZOË sind sich spinnefeind. ZARA kann ZOË überreden, die Ermittlungen „auf ihre Weise“ an ihrer Stelle zu übernehmen. Isaakson bekommt dadurch eine etwas „andere“ Partnerin.
In turbulenter Abfolge mit brutalen und tödlichen Aktionen von allen Seiten wird schlussendlich ein Teil des Netzwerkes zerschlagen. ZARA und ZOË trennen sich in schwesterlicher Übereinkunft.
Der Schreibstil ist angenehm, förderlich für das Lesen ist zudem die Spannung. Trotz der erschreckenden Realität, der beschriebenen brutalen Szenen, der teilweisen Übertreibung und der plakativen politischen Ansichten, trifft Alexander Oetker mit diesem Plot den Kern der aktuellen Situation in Europa, im Speziellen an der Mittelmeerküste zwischen Nizza und Marseille. Es bleibt aber die außerordentliche Zusammengehörigkeit von ZARA und ZOË das Hauptthema dieses Thrillers.

Die Glocke von Whitechapel
von Ben Aaronovitch
Uferlose Ausschweifungen 16. Juni 2019
Es gibt Serien, die sind vom ersten bis zum letzten Teil durchwegs spannend. Dann gibt es solche, die man spätestens nach dem dritten Teil nicht mehr weiterliest oder andere die gut beginnen, aber nach dem fünften Band immer schlechter werden.

Die Peter-Grant-Serie gehört in eine andere Kategorie. Da gibt es Bände, die super sind, und solche, die sterbenslangweilig sind. Nach der tollen Kurzgeschichte "Geister auf der Metropolitan Line" freute ich mich auf "Die Glocke von Whitechapel", doch leider erwies sich dieser Band als der langweiligste von allen sieben Bänden.

Das Folly sucht nach Martin Chorley und nach Lesley. Bald schon merken Peter Grant, Sarah Guleed und Nightingale, dass Chorley etwas im Schilde führt. Etwas, was vielleicht mit der Artus-Sage zu tun hat oder mit den Römern - dies herauszufinden ist Peters Aufgabe. Daneben wird Chorley gesucht und gejagt, doch jedesmal erwischt er der Polizei.

Die Handlung wird immer wieder durch uferlose Ausschweifungen und Wiederholungen unterbrochen. Peter - der übrigens zum Constable Inspector befördert wurde - spult beständig römische Geschichte und anderes Historisches runter, dies so, dass selbst mir, die Geschichte mag, langweilig wird dabei. Auch verliert er sich öfters seitenweise in Erinnerungen, nur um auf etwas zu kommen, das man auch in einem Satz erzählen könnte und ausserdem nichts zu der aktuellen Szene beiträgt. Wenn diese Dinge wenigstens etwas mit der Situation zu tun hätten, okay, aber das hatten sie nur sehr selten.

"Die Glocke von Whitechapel" war so ermüdend zu lesen, langatmig sondergleichen, so dass ich anstatt in ein bis zwei Tagen wie sonst, tagelang an diesem Band festhing und nicht vorwärts kam. Da war sogar die Navi CSI Folge im TV, die ich bereits dreimal sah, noch spannender.

Der Fall selbst überzeugte mich auch nicht, ebensowenig wie der Schluss - Spoiler: ich frage mich noch immer, was mit der Glück passierte. Ohne die ewigen Erklärungen und nur auf den tatsächlichen Fall bezogen wäre das Buch locker mit 200 Seiten oder weniger durchgekommen.

Deshalb freue ich mich auf die Kurzgeschichte "Der Oktoberman", die im September erscheint, da muss sich Ben Aaronovitch wieder aufs Wichtige konzentrieren - es könnte also wieder ein Highlight werden.

Trotz der Enttäuschung über diesen Band gibt es doch noch Positives zu berichten: zum einen wird die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Polizeiabteilungen immer besser, die Vorurteile gegen das Folly schwinden langsam. Zum anderen gefiel mir die Geschichte um Fingerhut sehr gut. Die Szenen, in denen Peter Fingerhut kennen lernte, waren weitaus die spannendsten im ganzen Buch.

Fazit: Nichtsdestotrotz ist der Band mit dem schönsten Cover, "Die Glocke von Whitechapel", leider der langweiligste Teil bisher.
2 Punkte.
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