Recensione

Rezensionen von Christina P.:

Die Villa

Das Böse wohnt zwischen den Ziegelsteinen

 

Bei einer Zwangsversteigerung ergattert Doreen eine alte Leipziger Villa, von der sie schon seit Jahren schwärmt. Für den Spottpreis von 100 Euro. Zufall? Schicksal? Oder hatten da irgendwelche Mächte ihr Klauen im Spiel?

Sie besaß nun eine renovierungsbedürftige, denkmalgeschützte Bruchbude (Zitat S. 15)

Ihre 15-jährige Tochter ist zunächst wenig begeistert. Doch wie auf magische Weise scheint ihr Traum von einer Karriere als Sängerin plötzlich in griffbarer Reichweite, seitdem sie in die Villa eingezogen sind. Und auch privat sowie finanziell scheint den beiden das Glück in die Hände zu spielen.
Parallel versucht der Londoner Musiker Ethan den gewaltsamen Tod seiner Mutter aufzuklären und kommt dabei einer alten Loge auf die Spur, welche ihren Ursprung in besagter Leipziger Villa hatte.

Zwei Erzählstränge, die aufeinander zulaufen und jeweils eine Spur der Gewalt hinter sich herziehen. Das Geheimnis der Villa wird langsam enthüllt, während es zunächst unerkannt seine Eigenschaft als Horror-Haus auslebt. Die Horror- und Gewalteelemente sind kurz und schonungslos, die Hintergründe spannend konstruiert. Man weiß nie, wen es als Nächsten trifft, was das Haus im nächsten Moment unternimmt. Oder warum die Auswirkungen der Villa so weitreichend ausfallen.

Tick-Tack, Tick-Tack

Durchzogen ist der Roman vom Ticken einer großen Standuhr, die nicht nur Teil der Villa, sondern auch des Horror-Romans ist. Ein kleines, aber feines Stilmittel, welches effektiv das Grauen ankündigt. Und dennoch kann das Grauen, welches mit Gewalt begann, nur Gewalt beendet werden.

Wer Lust auf einen Gothic-Horror-Roman hat, selbst ein Horrorhaus besitzt oder in Erwägung zieht, sich in Kürze eines zuzulegen: Dann ist dieser Roman definitiv das Richtige für euch!

Weil sie lügt

Tödliche Lügen

 

Seitdem Annas Schwester Juli spurlos verschwunden ist, bricht ihre Familie unaufhaltsam auseinander. Der Vater sitzt als Hauptverdächtiger im Gefängnis, wobei selbst Anna von seiner Unschuld überzeugt ist. Die Mutter ist seitdem ein seelisches Wrack. Und Anna versucht, sich und ihren kleinen Bruder mit Gelegenheits-Jobs über Wasser zu halten.
Der Thriller bietet mehrere zunächst undurchschaubare Handlungszweige sowie einige Überraschungen, bis sich langsam herauskristallisiert, was in der Vergangenheit geschah und wer wem was angetan hat. Der Weg zur Auflösung ist spannend konstruiert, potentielle Irrwege beim Miträtseln inklusive. Zudem ist das Schicksal von Annas Familie emotional bewegend geschildert, werden sie doch im Ort von einigen als Mörderfamilie gesehen.
Einen gewichtigen Kritikpunkt habe ich leider: Wiederholt wurden Indizien von den Ermittelnden nicht neutral gewertet bzw. ausreichend hinterfragt, sondern bequem so interpretiert, dass sie zu einem bestehenden Verdacht passten. Ich hoffe sehr, das ist nur aus dramaturgischen Gründen dem Roman geschuldet und keine gängige Vorgehensweise bei Kriminaluntersuchungen. Gestört hat es mich beim Lesen trotzdem.
Der Thriller ist größtenteils gut konstruiert und bietet bis zum Ende einen hohen Spannungsbogen und viel Potential zum Miträtseln.

Eine Prise Glück im Restaurant der verlorenen Rezepte (Die Food Detectives von Kyoto 3)

Neue bewegende Aufträge für Kyotos Food Detectives

 

Dies ist der dritte und in meinen Augen beste Band der Reihe (Die Food Detectives von Kyoto) rund um das Restaurant der verlorenen Rezepte.
Aufgebaut als Asian Healing Episodenroman, führen der ehemalige Polizist und Witwer Nagare Kamogawa sowie seine erwachsene Tochter Koichi ihr besonderes Restaurant in Kyoto mit zugehöriger Detektei. Auch diesmal kommen verschiedene Leute zu ihnen mit der Bitte, ein Gericht aus ihrer Vergangenheit nachzukochen, zu welchem sie eine besondere Verbindung haben. Woraufhin Nagare beginnt zu recherchieren, um das gewünschte Gericht geschmacklich und optisch genau so servieren zu können, woran seine Gäste sich erinnern.
Zu jedem Gericht gibt es wieder einen emotionalen Hintergrund, welcher den Auftraggebern wichtig ist. So manches Mal muss Koichi sich diesmal zusammenreißen, während sie Hintergründe zum gesuchten Gericht von der Kundschaft erfragt. Wobei im Buch versucht wird, die Schicksale nicht wertend zu betrachten. Hier ergänzen sich Vater und Tochter wirklich sehr geschickt vom Charakter her. Und natürlich werden die einzelnen Gerichte auch wieder von Nagare ausreichend erläutert (seine Recherchen selbst werden hierbei nicht beschrieben, höchstens beim Servieren des Gerichts von ihm darüber berichtet).
Jedes Gericht erhält seine eigene Episode, jeder Kunde und jede Kundin die Möglichkeit, mit seinem/ihrem Thema ins Reine zu kommen. Und Straßenkatze Hirune hat auch wieder in jeder Episode ihren kleinen Auftritt.
Auch diesmal wieder wunderschöne Episoden mit mal mehr, mal weniger ergreifenden Themen und interessanten Food-Details zum spontanen Abschalten und Genießen.

Keine Angst, Darling

Misogynie, romantisch verpackt, zu wenig hinterfragt

 

Paulas Arbeitskollege macht sie darauf aufmerksam, dass ihre in die USA ausgewanderte Schwester Lea keine Beiträge mehr in ihrem Tradwife-Account postet. Da Lea auch auf keine Nachrichten ihrer Schwester reagiert, reist Paula kurzerhand in die USA, wo Leas Ehemann behauptet, Lea befände sich auf Retreat-Urlaub mit digital detox.
Das als Thriller vermarktete Buch befasst sich mit dem Tradwife-Trend, einem eher US-amerikanischen Phänomen, in dem Frauen romantisieren, den Haushalt zu führen und ihren geldverdienenden Ehemann zu verwöhnen. Wobei ich mich gleich zu Beginn gefragt habe, warum ein deutscher Mann verfolgt, wie eine amerikanische Frau im 60er-Jahre-Kleid leidenschaftlich Teig knetet und Blumengestecke arrangiert? Und warum muss er seine Kollegin kurz vor einem Vortrag damit überfallen, für den sie sich konzentrieren muss?! Kollegial geht anders, wird hier nur leider nicht weiter hinterfragt (für mich ein Kritikpunkt).
Die von anderen Lesenden hochgelobte Spannung des Romans kann ich leider nicht bestätigen. Der Hintergrund war sehr schnell klar: Lea lebt in einem Wohndorf mit sektenähnlichen Verhaltensregeln. Wobei das Romantisieren des Hausfrauenlebens an sich schon mehr als fragwürdig, um nicht zu sagen hochgradig falsch ist. Wem das nicht klar ist, wird das spätestens im Buch erkennen. Im Grunde genommen dreht sich der Großteil des Romans darum, dass Paula anfängt, endlich das zu hinterfragen, was anderen längst klar ist. Was ihr hätte auffallen können, hätte sie den Kontakt zu Schwester nicht abgebrochen. Oder vor ihrem Abflug sich Leas Videos mal genauer angesehen.
Ihre Vorgehensweise ist dabei unüberlegt und planlos. Und leider bleibt sie mit dem Thema auch alleine. Ihr Ehemann ist ihr keine Hilfe, blockt das Thema jedesmal ab, schiebt wiederholt die Kinder vor, grad keine Zeit für sie am Telefon zu haben; bietet aber nie an, später in Ruhe zu reden und Hilfe anzubieten, was für sie zu recherchieren oder Behörden zu informieren. Aber ein schlechtes Gewissen kann er ihr einreden, nicht für die Kinder da zu sein. Vielen Dank für nichts! So gesehen hilft hier mal wieder nur eine Frau einer anderen Frau in Nöten, während der Mann aktiv wegsieht.
Zwar gibt es noch Perspektivenwechsel zu früheren Szenen mit Lea sowie sowas wie Tagebucheinträge, und ein, zwei (wenig überraschende) Wendungen hat die Autorin auch eingebaut. Da gewisse Manipulationen von vornherein absehbar waren empfand ich den Roman leider nur als zäh und voller misogyner Männer (sympathisch war nur ein einziger Mann in einer Nebenrolle und, nein, das war nicht Paulas Ehemann).
Wichtiges Thema, für meinen Geschmack zäh und vorhersehbar umgesetzt und an gewissen Stellen nicht ausreichend hinterfragt.

Lucifer Ascending - One Sinful Secret

Zähe Triangle-Smut-Fantasy mit AgeGap

 

Eine junge Frau mit dämonischen Wurzeln stirbt bei einer Dämonenjagd und wird durch ihren Love Interest von den Toten zurückgeholt.
Das ganze Buch ist ein langgezogener Widerspruch. In einer Welt, in welcher mehrere Ableger eines Ordens die Menschen vor Dämonen beschützen wollen, wird Lilian als Tochter eines Dämons und einer Menschenfrau 25 Jahre als potentielle Gefahr hinter den Ordensmauern zu einer Dämonenjägerin ausgebildet. Sie soll also, im weiteren Sinne, ihre eigenen Verwandten jagen. Was sie zunächst auch macht, da sie all die Jahre erzählt bekam, sie sei eine wandelnde Bedrohung und dürfe nur leben, weil der Orden es ihr gnädigerweise gestattet. Durch eine mutmaßliche Intrige stirbt sie bei einem Einsatz und ihr langjähriger bester Freund, auf den sie wohl schon lange scharf ist (und er auf sie) hat nichts Besseres zu tun, als seine hochgradig geheime Nekromantie zu verwenden, um sie von den Toten zurück zu holen. Mit dem Nebeneffekt, dass sich Dämon Lucifer in seinem Körper wohnlich einrichtet.
Gleich vorweg: Das Worldbuilding tendiert gen Null, die Handlung könnte auch in irgendeiner anderen Stadt angesiedelt sein. Der Aktionsradius ist sehr stark auf Lilian und Jupiter/Lucifer und ein paar Nebenfiguren reduziert. Was es auch schnell langweilig macht. Die drei, die zugleich als Ich-Erzählende herhalten, zerdenken viel und, man glaubt es kaum, denken Infodump! Niemand erklärt sich selbst gedanklich erstmal die halbe Welt, die schon. Wobei trotzdem vieles als einfach gegeben hingenommen wird. Warum wird Lilian vom Großteil des Ordens gedisst? Ist einfach so. Dann durfte sie angeblich das Ordensgelände 25 Jahre nicht verlassen, ist aber Fan von McFlurry (Eissorte beim Mäcces), was bis zum Erbrechen wiederholt wird. Dass die Fastfood-Kette einen Lieferservice hat wäre mir neu.
Der nächste Gedanke: Warum soll eine Dämonin (ja, sie hat Hörner auf dem Kopf) ihresgleichen jagen? Warum steht sie auf einen Typen, der ihresgleichen jagt? Und warum wird hier romantisiert, dass ebendieser Typ sie von den Toten zurückholt, nur weil er das so will? In meinen Augen ist das hochgradig übergriffiges Besitzdenken.
Lucifer ist nur bedingt eine Bereicherung. Ich empfand ihn als nicht glaubwürdig dargestellt, nicht als uralten Dämon, vielmehr als flirty BadBoy, der sich mit Jupiter selbst zu den unmöglichsten Zeitpunkten gedachte Diskussionen auf Teenager-Niveau liefert. Und mit besagter 25-jährigen Protagonistin flirtet, wobei wir bei einem immensen Age Gap wären. Ansonsten verhalten sich auch diverse weitere Personen unglaubwürdig, eher der Handlung des Romans angepasst. Da der Personenkreis eh schon sehr beschränkt ist fällt dies umso stärker ins Gewicht. Selbst bei der Namensgebung in Jupiters Familie, in der die Söhne sehr aussergewöhnliche Namen bekamen, ist die Autorin erschreckend inkonsequent: Während Jupiter nach einem römischen Gott benannt wurde, hieß sein Bruder Atlas nach einem griechischen Titaten.
Stilistisch ist das Buch sehr zäh, u.a. durch den bereits erwähnten gedanklichen Infodump (der oft keinen wirklichen Mehrwert hat). Besonders in der ersten Hälfte lassen sich locker mal zwei Absätze überspringen, ohne auch nur irgendwas von der Handlung zu versäumen. Zudem verschiebt sich der Fokus in der zweiten Hälfte stark auf das Liebesdreieck Lucifer-Lilian-Jupiter. Es gibt viele explizite Szenen (wenigstens in der Smut-Version), welche für die Handlung irrelevant sind. Die erste Szene kommt sogar vor dem ersten richtigen Abenteuer vor. Und das Vokabular ist oftmals umgangssprachlich, bisweilen ins Englische tendierend. Warum sind die Kapitelüberschriften auf englisch in einer deutschen Fassung?!
Nur, weil da ein paar Dämonen vorkommen, von denen ein uralter Dämon eine AgeGap-Flirterei startet, und es ein paar Geheimnisse und Smut-Szenen gibt, kann ich das Buch nicht als Dark bestätigen. Romantasy ohne überzeugendes Worldbuilding oder komplexe Handlung käme jedoch hin.

Immerland - Der Ozean der Ewigkeit

Zauberhaftes Abenteuer voller Überraschungen und Illustrationen

 

Nach Immerland ist vor Immerland. Zumindest für Mika, der nur wenige Monate nach seiner Flucht erneut in dieser verrückten Welt auf der anderen Seite der Erdkruste landet. Die Welt, in welcher nicht nur Kreaturen hausen, eine schräger als die andere. Sondern auch der Doktor weiter daran bastelt, seine Macht auf die Welt der Menschen auszuweiten.

Das Trotzdem ist eine Superpower. Es lässt Dinge passieren, die auf den ersten Blick unmöglich erscheinen. (Zitat S. 180)

Der Anfang ist zunächst ähnlich zum ersten Band: Eine Klassenkameradin wird auf einem Schulausflug verletzt und eine überaus hilfsbereite (wenn auch skurrile) Person bietet ihr an, sie zum Doktor zu bringen. Gegen eine lächerliche geringe Bezahlung. Natürlich will Mika dies um jeden Preis verhindern, da er nun weiß, dass das Immerland eine Falle ist. Und der Doktor kein richtiger Doktor. Zu seinem Pech (und unserem Glück) geht dies natürlich gewaltig schief und er landet in seinem eigenen, spektakulären Abenteuer voller fantastischer Wesen, einer erfinderischen Rebellengruppe sowie seinen Freunden in Immerland, die sich riesig freuen, ihn wiederzusehen. Denn im Kampf gegen den Doktor können sie seine besonderen Fähigkeiten gerade richtig gut gebrauchen. Und seine Klassenkameradin will er nebenbei auch noch retten.

Und wie soll das bitte gehen? - Trotzdem, Bumsbirne. Trotzdem. (Zitat S. 185)

Der zweite Band baut zügig eine Spannung auf, die sich konstant bis zum Ende hält. Es gibt jede Menge fantastische Abenteuer, ausweglos scheinende Situationen und den ein oder anderen zu bedienenden Controller (Mikas Spezialgebiet). Das Innere des Romans ist voller faszinierender Illustrationen passend zur Handlung; sämtliche Details auf dem Cover finden sich irgendwo in Mikas Abenteuer wieder. Und im titelgebenden Ozean der Ewigkeit ist eine für Mika ganz besondere Person verborgen. Lasst euch überraschen.
Das Buch hat seine volle Punktzahl sowas von verdient! Spannung, Ideenreichtum und Illustrationen, alles vom Feinsten!

A Business Proposal 1

Workaholic hat keinen (Business-)Plan von Romantik

 

Für ihre Freundin Yeongseo geht Hari auf ein Blind Date, welches Yeongseos Familie gegen ihren Willen arrangiert hat. Die beiden Frauen haben vereinbart, dass Hari sich dort als Yeongseo ausgeben und schön daneben benehmen soll, damit der Kerl jeglichen weiteren Kontakt zu Yeongseo und deren Familie ablehnt.
Taemus Großvater hat mal wieder ein Blind Date für seinen Enkel arrangiert. Als Chef einer Firma muss Taemu seiner Überzeugung nach endlich heiraten. Auch wenn Taemu da ganz anderer Meinung ist. Deswegen hat er sich vorgenommen, sein heutiges Blind Date zu heiraten, damit er endlich seine Ruhe hat und sich wieder auf seine Arbeit konzentrieren kann.
Taemu ist Haris Chef. Aber Hari ist heute Yeongseo.

Er würde die Falsche zur Richtigen machen. (Zitat S. 151)

Einige kennen die Story bereits als verfilmtes K-Drama. Auch ich habe vor dem Buch bereits einige Folgen gesehen und fand diese recht amüsant. Schon zu Beginn, als Hari sich in Yeongseos Namen wie das reinste Partygirl benimmt, bis sie realisiert, ihrem Chef gegenüber zu sitzen. Aber auch in späteren Szenen, wenn Hari und Taemu sich wiederholt in der Firma über den Weg laufen.

Der Roman ist nicht ganz so übertrieben lustig wie die Serie, am Ende des Buches ist auch ein Hinweis zu lesen, dass bewusst darauf verzichtet wurde, toxisches Verhalten zu romantisieren. Was an sich auch ganz interessant ist und vor allem ein wenig mehr von den Charakteren Hari und Taemu verrät. Hari ist insgeheim noch in ihren langjährigen Schwarm Minu verschossen, bei dem jede aufmerksame Leserin merkt: nein, der ist kein Boyfriend-Material! Die ganze Sache mit dem Fake-Blind Date wächst ihr zudem immer mehr über den Kopf. Taemu hingegen ist der reinste Worcaholic, der alles Zwischenmenschliche seinem Assistenten anvertraut. Zwar entwickelt er mit der Zeit ehrliches Interesse an Hari, hat jedoch eine fragwürdige (bzw. unbedarfte) Definition von Romantik, die in der Serie noch amüsant wirkt, im Roman eben unromantisiert gezeigt wird.
Würde man mich fragen, ob Buch oder Serie: Ich finde, die beiden Versionen ergänzen sich ganz gut, sind ansonsten vom RomCom-Level wirklich unterschiedlich. Der Schreibstil ist für Leute, die primär westliche Literatur lesen, zunächst wahrscheinlich ungewohnt, da er etwas distanziert wirkt. Das möchte ich nicht bewerten, da ich dies als eine Frage der Gewöhnung sehe. Was ich beim Roman etwas schade fand ist, dass die Freundschaft zwischen Hari und Yeongseo nicht so glaubhaft wirkt wie in der Serie, eher etwas einseitig. Dadurch kommt Yeongseo im Buch nicht ganz so gut weg als Charakter wie in der Serie.
Mein Fazit: Nicht nur für Fans der wunderschönen Serie eine etwas realistischer dargestelle Version der RomCom.

Die Schule des Meeres - Ruf aus der Tiefe

Spannende Abenteuer und alte Geheimnisse an der Unterwasser-Akademie

 

Das einzige, was der 11jährige Waisenjunge Fynn wollte, war irgendwo dazugehören. Endlich wird er adoptiert, wenn auch von einem grummeligen alten Seebär. Doch der wirft ihn nach kurzer Zeit einfach über Bord. Im Ernst?! Dass das wohl so geplant war merkt Fynn, als er in Akademar erwacht, einer Schule auf dem Grund des Meeres. Doch hier fällt negativ Fynn auf, nachdem sein Seelentier ihn erwählt hat. Regelrecht skandalös, ausgerechnet ein Oktopus! Dabei wollte Fynn doch einen starken Hai. Oder einen sportlichen Delphin. Doch vielleicht hat der Oktopus auch was unerwartet Gutes?
Das Buch ist von Beginn an der reinste Lesespaß. Schon das Cover macht richtig Laune auf mee(h)r. Fynns Abenteuer steckt voller fantastischer Details, die es zu entdecken gilt. Dabei ist er ein Junge, dessen Stärke es ist, sich in andere hineinfühlen zu können. Er hilft den Schwachen, hinterfragt Vorurteile und schafft es innerhalb kurzer Zeit, selbst mit den Kindern Freundschaft zu schließen, die ihn an der Akademie zunächst auf dem Kieker haben. Kurz: Fynn hat das Herz definitiv am rechten Fleck. Zudem gibt es natürlich verschiedene Geheimnisse rund um die Akademie sowie um Fynns Herkunft, welche ausreichend Material für eine Fortsetzung bieten. Und Dank der Illustrationen im Buch lassen sich die Unterwasser-Orte sowie die Seelentiere sehr gut vorstellen. An alle Lesebegeisterten ab 9 Jahre: Willkommen in Akademar!

Irida 3. Irida und das Flüstern in den Feldern

Alte Geheimnisse und neue Feinde

 

Endlich Sommerferien! Irida und die Furchtlosen lassen es sich bei leckerem Eis gutgehen. Die Abenteuer bei den Norwegischen Trollen sind vorbei, Zeit für neue Rätsel, die es zu lösen gilt. Das erste Rätsel hat es auch sogleich in sich: Menschen verschwinden spurlos. Sogar die Anderswelt bittet die Kinder um ihre Hilfe, den Fall zu lösen.
Das neue Rätsel ist alt. Und gefährlich. Aber nicht unlösbar. Geschickt baut Markus Heitz eine Gruselatmosphäre auf, nimmt die Lesenden wiederholt mit zu genau dem Moment, in dem eine Person verschwindet. Ein paar Fakten zu alten Sagengestalten, geschickt platziert, sorgen buchstäblich für weiteren Knobelspaß. Für amüsante Auflockerung ist zwischen all dem Rätselraten und den gruseligen Szenen natürlich gesorgt.
Ein weiteres Highlight war für mich das Verschwinden eines der Kinder, welches ein ganz besonderes Abenteuer erlebt. Denn: ja, es geht endlich in die Anderswelt! Die ich als ziemlich durchdacht dargestellt beschreiben würde. Bei diesem Zweit-Abenteuer verschwimmen die Grenzen zwischen Freund und Feind und es gibt viele fantastische Details und Hintergründe. Und natürlich sind auch Quellgöttin Sirona und Nooba, Spitzel auf vier Hoppelpfoten, in Band drei wieder mit dabei.
Der Teamgeist der vier Kids ist klasse, Irida und ihre Freunde sowie die geretteten Kinder aus Norwegen sind die Freunde, die sich wohl jedes Kind wünschen würde. Entsprechend ist es beim Lesen fast, als wäre man selbst ein Mitglied der Furchtlosen. Die Mischung aus Grusel, Humor und dem Abenteuer in der Anderswelt, wo die Regeln ein wenig anders sind als bei uns, konnte mich auf voller Länge überzeugen und macht das Buch zu einem sehr spannenden Fantasyabenteuer samt faszinierender Sagengestalten. Und es wird ein persönliches Geheimnis aufgedeckt, mit dem niemand gerechnet hat.
Der dritte Band der Irida-Reihe bietet jede Menge atmosphärische Spannung und sorgt für so einige Überraschungen. Von mir volle Punktzahlt für ein packendes Lesevergnügen.

The New Love Times, Band 1 - Written into my Heart

Ihr heutiges Horoskop: Fake-Dating könnte zu unerwarteten Nebenwirkungen führen

 

Es ist aus! Brian macht mit Stella Schluss. Sie würde ihn nur ausbremsen, sagt er, das hat ihm schließlich auch Dr. Love in ihrer Kolumne bestätigt. Kurzerhand macht Stella besagte Dr. Love ausfindig, sie soll dafür sorgen, dass Brian sich umentscheidet und zu Stella zurückkehrt. Schließlich sind die beiden doch wie füreinander bestimmt. Nur dass sich Dr. Love als Stellas grumpy Kollege Rowan entpuppt. Diese Spaßbremse, die ihr ohne mit der Wimper zu zucken den letzten Kaffee in der Zeitungsredaktion wegnimmt.
Stella ist eine wahnsinnig liebenswerte Person. Sie kann sich in andere Leute hineinversetzen, weiß mit Menschen umzugehen und selbst die Hunde, welche sie regelmäßig ausführt, lieben sie. Statt einem Riesenziel vor Augen hat sie ihre vielen kleinen Jobs und Aufgaben, in denen sie völlig aufgeht. Etwas, was ihr Ex nicht versteht, sie stattdessen lieber für seinen selbstverschuldeten Frust verantwortlich macht. Letztendlich, man ahnt es bereits, steht Rowan auf Stella und will, dass sie mehr an sich (oder an ihn) denkt statt es immer nur anderen recht zu machen. Wobei es einen Grund für Stellas Verhalten gibt, welcher im Laufe des Romans deutlich wird.
Auf gewisse Weise ist das Liebesdreieck zunächst recht amüsant: Rowan will Stella, Stella will Brian, Brian will weg. Und irgendwann ändern sich die Prioritäten. Und trotzdem konnte mich Saskias erster Band der New York Love Times nicht ganz so catchen wie ihre sonstigen Romane. Für meinen Geschmack trat die Story zu lange auf der Stelle, enthielt zuviel Füllmaterial, wird vorhersehbar. Das Grundthema, dass Stellas Bedürfnisse stärker gewichtet werden sollten, gefällt mir sehr, nur Rowan wirkte manchmal eher wie ein Mansplainer und hat zuletzt ähnliche Fehler gemacht wie Brian. Das ist einfach nicht so überzeugend, mit dem Finger anklagend auf andere zu zeigen, selbst aber auch nicht besser zu sein. Stellas Umorientierung hin zu Rowan konnte ich da auch nicht so richtig fühlen, egal wie gut er aussieht. Stellas sonstige Charakterentwicklung empfinde ich hingegen als wunderbar gelungen. Und der Humor der Autorin kommt ebenfalls nicht zu kurz.
Interessant sind übrigens auch Marlow und Leto, welche in Band 2 die Hauptrollen übernehmen werden und hier als die besten Freunde von Stella und Rowan auftreten. Zwei Charaktere mit starkem Potential für knisternden Funkenflug.
Im Übrigen heißt die Zeitung, bei welcher Stella und Rowan arbeiten, zwar nicht wirklich New York Love Times sondern Sunset Gazette, doch das Cover ist optisch einfach zauberhaft.

Juli im Land der Zeitgeister

Was wäre, wenn es immer die gleiche Uhrzeit für alle bliebe?

 

Pünktlich um 14.30 Uhr bleiben alle Uhren in Omas Haus stehen. Selbst die Oma ist stehengelieben. Das geht so natürlich nicht! Also macht Juli sich gemeinsam mit Zeitgeist Trim und dem alten Uhrmacher auf ins Land der großen Uhr, welche sich hinter der alten Standuhr im Keller verbirgt. Die dortige Welt gleicht einem großen Ziffernblatt, über welches die Zeiger am Himmel hinweg gleiten. Doch die Zeiger bewegen sich keinen Millimeter, seitdem der Zauberer das Uhrwerk manipuliert hat. Zu welchem Zweck bloß?
Während ihres Abenteuers treffen die drei auf weitere Zeitgeister, eine pfiffige Reporterin sowie auf die Hexe Unruh. Deren Riesenfledermaus ist allerdings nachtaktiv, was das Reisen um ständige 14:30 Uhr schnell problematisch macht. Zudem macht Juli sich weitere Gedanken, was es für Vor- und Nachteile mit sich bringen könnte, wenn es dauerhaft Mittagszeit bleibt. Von der stillstehenden Oma ganz zu schweigen. Ein interessantes Gedankenspiel.
Der Weltenbau ist als wunderschöne Illustration mitsamt aller relevanten Details und einiger Zeitgeister im Buch abgebildet; viele weitere kleine Illustrationen verschönern das Buch. Zeitgeist Trim ist das katzenartige Wesen auf dem Cover, das zurecht ziemlich sauer auf den Zauberer ist und eine amüsante Art zu fluchen hat. Auch sonst hat das Buch viele unterhaltsame Details zu bieten.
Kritisieren muss ich allerdings ebenfalls ein paar Punkte. Generell tendiert das Buch wiederholt zu einer leicht aggressiven Grundstimmung, bedingt durch die Verhaltensweisen einiger Charaktere. Das könnten einige Kinder als unangenehm empfinden. Trim gestehe ich zu, ab und an ein kleiner Wüterich zu sein, immerhin ist es seine Himmelsuhr, die da manipuliert wurde. Was mich jedoch störte war, dass einige Charaktere zu Handlungen gezwungen werden, die sie nicht wollen. Einmal betrifft es Juli (sie soll mit alten Damen Torte essen), wo ich mir gewünscht hätte, dass sie, statt brav mitzuspielen, ihre Grenzen aufgezeigt hätte, dass fremde Erwachsene nicht einfach alles mit ihr machen können. Sowas ist wichtig. Ebenso wie an anderer Stelle, als die Hexe Unruh, die optisch leider dem Klischee der bösen Hexe von Oz entspricht, mal ihre Fledermaus, mal einen Zeitgeist mit Gewalt zu etwas zwingt. Alle wissen, dass es falsch ist. Das fühlt man mit jeder Silbe. Doch niemand sagt etwas gegen ihre Übergriffigkeit. Das sind so Stellen, an denen das Buch falsche Signale sendet, über welche mit den Kindern geredet werden sollte.
Aufgrund der nicht allzu komplizierten Handlung, des lockeren Schreibstils und der recht niedlichen Illustrationen würde ich das Buch zum Vorlesen oder (je nach Lesestärke) Gemeinsamlesen je nach Kind ab 7 Jahren oder zum späteren Selbstlesen empfehlen. Der Verlag empfiehlt das Buch ab 9 Jahren.

Honey

Wut der letzten Jahrhunderte bahnt sich ihren Weg

 

Yrsa schreibt als Woman of Colour an ihrer Doktorarbeit an der Fakultät für Soziologie in Cambridge. Nebenbei unterrichtet und betreut sie Studentinnen und Studenten der ersten Semester. Schon früh wurde sie mit Vorurteilen einer misogynen und rassistischen Gesellschaft konfrontiert. In der Sonntagsschule z. B. mit Auflagen und Verboten, um als ehrbares und wohlerzogenes Mädchen zu gelten. Und zugleich die Erfahrung, wie sich in ihrer Jugend Männer auf einer Datingplattform schamlos bei ihr meldeten, die doppelt so alt waren wie sie und danach gierten, bei ihr zum Zug zu kommen.

[Er] hatte aus ihr ein Objekt gemacht, eine Ware mit zugeschriebenem Wert; machtlos. Und sie hatte ihn totgemacht. (Zitat S. 112)

Durch das Thema ihrer Doktorarbeit beschäftigt sich Yrsa stark mit der Ausbeutung der People of Colour (PoC), insbesondere der Frauen. Doch auch in ihrem eigenen Umfeld beobachtet sie, dass die Frau von vielen Männern als Konsumgut betrachtet wird. Frauen werden ausgebeutet bzgl ihres Körpers, ihrer Fähigkeiten, ihres Wissens, bei gleichzeitiger Ignoranz ihrer Sichtweisen. Nachdem ein Professor schamlos ihre Studienkollegin in mehrfacher Hinsicht ausgenutzt hat, besitzt Yrsa keine Skrupel die Gelegenheit zu nutzen, ihm zu schaden. Kein Mord, sie hat nur ein wenig nachgeholfen. Ein Tod, rein durch Zufall entstanden und offiziell als Unfall registriert. Eine Biene war Schuld. Etwas, was Yrsa eine unerwartete Befriedigung verschafft.
Bis zu diesem Punkt bietet der Roman eine brisante Aktualität aus Sicht einer Woman of Colour, die emotional gut mitzuverfolgen ist. Arroganz und Verhaltensweisen einiger männlicher Individuen lassen beim Lesen schnell die Alarmglocken schrillen. Möglich, dass dieser Moment mit der Biene der Wendepunkt in Yrsas Leben ist, ab welchem sie eine Kanalisation für ihre Wut findet. Im Verlauf des Romans vermischt sich die ganze misogyne Gewalt der Männer, welche Frauen im Laufe der Geschichte erfahren mussten (und mit welcher sie sich beruflich durchgängig befasst), in ihrem Kopf mit den Taten der Männer in der Realität. Immer mehr Wut staut sich in ihr auf, immer stärker ist ihr Wunsch nach tödlicher Vergeltung. Und immer größer wird die Gefahr, die eigene Objektivität, sich selbst zu verlieren.

Sie hasst sie alle. (Zitat S. 20)

Bis zu einem gewissen Punkt konnte ich Yrsas Entwicklung mitverfolgen. Ein paar Einblicke in die Thematik ihrer Doktorarbeit waren da hilfreich oder zumindest interessant. Und dennoch tat ich mich im Verlauf der Handlung immer schwerer damit, Yrsas Charakter zu verstehen, insbesondere der Verlauf ihrer tödlichen Obsession. Es ist nicht allein ihre Distanziertheit, sondern auch ihr Hang zur Unehrlichkeit sich selbst und anderen gegenüber. Sie wirkt über Längen wie emotionslos, nur um im nächsten Moment ihre angestaute Wut wie bei einem Vulkan ausbrechen zu sehen. Doch eine Auseinandersetzung mit gewissen Geschehnissen bleibt den Lesenden oft verwehrt. Auch fehlten mir ausreichend ehrliche Interaktionen, um sie als Charakter greifbar zu machen. Für mich ging die Mischung aus Provokanz, Fakten und Gesellschaftskritik final nicht auf, weil langatmige Abschnitte wiederholt die Handlung ausbremsten, ohne bei mir ein Gefühl des Mehrwertes erzeugen zu können. Für die für meinen Geschmack stellenweise zu langatmige Umsetzung einer gelungenen Idee gebe ich 3,5/5.