Recensione
Rezensionen von Sternzauber:
Eine außergewöhnliche und beeindruckende Liebesgeschichte
Die Covergestaltung von „Eine Liebe ohne Sommer“ mag ich sehr, denn das Bild des Paares, bei dem er auf dem Geländer steht und ihr die Hand hin hält, erzählt bereits auf den ersten Blick eine sehr intensive Geschichte und das gefällt mir. Auch die Kombination aus den Schatten mit den Farbflächen mag ich sehr gerne und nicht zuletzt passt das Bild auch wunderbar zum Inhalt des Buches, worauf ich immer viel Wert lege.
Die Geschichte erzählt von Rosa und Nikolas, die sich im Hausflur begegnen und zwischen denen es direkt funkt. Sie erleben drei wunderbare Monate miteinander, doch dann stirbt Nikolas ganz plötzlich bei einem Unfall und Rosa bleibt alleine zurück. Neben der Unfassbarkeit der Situation quälen sie die Fragen, was das zwischen ihr und Nikolas überhaupt war und was daraus geworden wäre, wie gut sie ihn eigentlich kannte und warum er ihr nie seine Freunde vorgestellt hat… Sie macht sich auf die Suche und trifft Menschen aus Nikolas Vergangenheit und Gegenwart, lernt Seiten von ihm kennen, die ihr bisher nicht zugänglich waren und fragt sich, ob sie diese ebenfalls hätte lieben können…?
Timothy Paul erzählt seine Geschichte in wunderbar leichter und angenehmer Sprache, so dass das Lesen für mich vollkommen mühelos war und es machte wirklich großen Spaß so durch die Seiten zu fliegen und der Beziehung zwischen den beiden Hauptcharakteren immer näher zu kommen. Für mich hat es sich wirklich so angefühlt, als würde das Objektiv auf diese beiden Menschen und ihre Verbindung gerichtet und nach und nach immer schärfer gestellt. Immer mehr Details wurden sichtbar und ich habe die Beiden immer mehr in mein Herz geschlossen, so dass ich intensiv mitfühlen durfte. Dem Autor ist es dabei sehr gut gelungen, die sehr unterschiedlichen Emotionen der Figuren spürbar zu machen und authentisch zu beschreiben.
Aber es gibt nicht nur Rosa und Nikolas, sondern eben auch ihr Umfeld und auch von diesem bin ich wirklich überzeugt. Denn die Charaktere wirken individuell, teilweise sogar ein wenig skurril und machen die Geschichte mit all ihren Eigenheiten wunderbar bunt. Ich fand es interessant und teilweise sogar spannend den neuen Persönlichkeiten zu begegnen und durch sie immer wieder neue Facetten von Nikolas Charakter entdecken zu dürfen. Aber die Geschichte hat mich auch zum Nachdenken angeregt und in mir gearbeitet, denn mit dem Tod eines Menschen tauchen auch ganz existentielle Fragen auf.
Mit über 450 Seiten ist die Geschichte von Rosa und Nikolas recht umfangreich, aber es lohnt sich wirklich jede Seite und ich habe nach Beginn kaum noch aufhören können zu lesen. „Eine Liebe ohne Sommer“ ist eine sehr ungewöhnliche Liebesgeschichte, die mich gefesselt, traurig gemacht und vor Freude hat sprudeln lassen, die sehr tief geht und bedrückend ehrlich hinschaut, die aber auch voller Leichtigkeit und Lebensfreude sprüht und die eine wundervolle Mischung schafft, in der unglaublich viele Facetten der Liebe einen Platz finden. Ich möchte diese Geschichte unbedingt weiter empfehlen und wünsche euch ganz viel Freude beim Lesen!
Klare Sprache und eine facettenreiche Geschichte
Das Cover von „Guten Morgen, schönes Wetter heute“ hat mich neugierig gemacht und auch, wenn viel Farbe eigentlich nicht meine Komfortzone ist, mag ich das Cover doch sehr. Die vielfarbigen Wohneinheiten bilden ein herrliches Kaleidoskop, was hervorragend zur Geschichte passt und ich mag auch die komplette Gestaltung mit den Schriftbalken und besonders mit den Sonnenschirmen, die für mich ein tolles Detail sind.
Dieser Roman erzählt die Geschichte von den Bewohnern der Siedlung „Am Kastanienbaum“. All diese Menschen leben „so vor sich hin“, nah beieinander und doch alleine. Als der Baggerfahrer Paco eines Tages eine Weltkriegsbombe im Boden entdeckt, ändert sich jedoch vieles und die Menschen kommen einander näher, als sie es für möglich gehalten hätten…
Tanja Kokoska ist mit diesem Buch eine Geschichte gelungen, die mich überrascht und auf ungewöhnliche Weise beeindruckt hat. Ihre Art zu erzählen, entspricht eigentlich nicht wirklich meinen Vorlieben, doch zur Geschichte passt die schnörkellose, klare und knappe Sprache dieses Textes wunderbar. Alles andere wäre wirklich unpassend und diese Art der Erzählung macht die Einfachheit der Leute sowie deren Verbindungen wunderbar erlebbar. Die Autorin variiert zwischen den Blickwinkeln und Perspektiven und flechtet auch immer wieder Ansichten von anderen ProtagonistInnen in die aktuelle Beschreibung ein, die dort eigentlich vielleicht gar nichts zu suchen hätten, die das ganze Netz der Lebensgemeinschaft jedoch noch viel erlebbarer macht und sie fester miteinander verwebt – ein toller Kniff! Überhaupt hat Tanja Kokoskas Erzählweise etwas unglaublich Erfrischendes und Klares, was mir sehr gefallen hat.
Auch die Figuren dieser Geschichte haben mich nach und nach in ihren Bann gezogen und sind mir - mal mehr, mal weniger - ans Herz gewachsen. Sie sind wunderbar individuell und originell dargestellt, teilweise sogar skurril oder überzeichnet, doch nie so „abgehoben“, dass sie nicht mehr nahbar wären. Mit all diesen besonderen Charakteren und ihren Lebensentwürfen, die in der Siedlung aufeinander prallen, ergibt sich ein herrliches Kaleidoskop des Lebens und der Blick des übergeordneten Erzählers von Oben ermöglicht immer wieder spannende Einblicke. Diese Geschichte regt neben aller Unterhaltung zum Nachdenken an und macht deutlich, wie folgenreich kurze Momente und getroffene Entscheidungen sein können. Sie macht aber auch Mut an die menschliche Gemeinschaft und die Möglichkeiten des Lebens zu glauben und die Verbindungen von so vielen Themen und Gefühlszuständen hat mir sehr gefallen.
„Guten Morgen, schönes Wetter heute“ ist ein ungewöhnliche Buch, dessen Geschichte die (für mich) gewohnten Pfade der Erzählweise verlässt und neben guter Unterhaltung auch genügend Substanz zum Nachdenken und Einfühlen enthält. Ich empfehle das Buch sehr gerne weiter und wünsche viel Freude beim Lesen!
Familiengeheimnisse und (Geschwister-)Liebe
Das Cover von „Die Meerglas-Schwestern“ von Eleanor Buchanan gefällt mir sehr, denn es zeigt etwas von der Dramatik der Landschaft, die in der Geschichte eine wesentliche Rolle spielt und auch die Farbkombinationen sind sehr ansprechend gelungen. Schön finde ich zudem, dass der Titel haptisch wahrnehmbar ist und das Cover somit noch weiter aufwertet.
Dies ist der erste Band einer Reihe, in der 4 Schwestern die Hauptrolle spielen. Wir lernen Roz kennen, die im Nachlass ihrer Mutter einen ungewöhnlichen Ring findet und mit ihm Australien verlässt. In London entdeckt sie dann unerwartet in einem kleinen Antiquitätenladen ein Gemälde von Felsen in Schottland, das ihre Aufmerksamkeit ungewöhnlich stark gefangen nimmt und das sie nicht mehr los lässt. Doch was hat es damit auf sich und welche Geheimnisse bergen ihre eigene Familiengeschichte?
„Die Meerglas-Schwestern“ ist ein Buch, das mich sehr überrascht hat, denn es enthält eine viel vielschichtigere, umfassendere und ineinander verwobenere Geschichte, als ich gedacht hätte. Auf verschiedenen Zeitebenen lernen wir LeserInnen sehr starke Charaktere kennen und können ihnen in ihrer Entwicklung folgen. Mir hat das eine wunderbare Lesezeit geschenkt, die unerwartet spannend war und der ich regelrecht erlegen bin. Denn ich wollte das Buch eigentlich gar nicht mehr aus der Hand legen, nachdem ich einmal in die Geschichte eingetaucht war. Beide Zeitebenen haben mir sehr gefallen und ich habe mitgelitten, mitgefiebert und überhaupt mitgefühlt.
Einzig die Tatsache, dass die Geschichte kleine übernatürliche Elemente enthält, war für mich nicht ganz stimmig. Ich finde, dass die Geschichte diese überhaupt nicht braucht und hätte die Handlung ohne diese Dinge als noch runder und authentischer empfunden.
Doch ansonsten bin ich sehr glücklich mit dieser Geschichte, die so reich und bunt, so faszinierend, exotisch und doch lebensnah ist, dass ich mich sehr auf weitere Bände der Geschichte freue und gespannt darauf bin, wie sich die Handlung fortsetzen wird. Sehr gefallen hat es mir aber, dass dieser Band trotz der angekündigten Fortsetzung in sich einen runden Abschluss gefunden hat und auch als Einzelgeschichte lesbar ist.
Sie liest sich sehr leicht und flüssig und auch, wenn sie so vielschichtig ist, dass manchmal ein zweiter Gedanke zur Einordnung der Geschehnisse nötig ist, habe ich die Lektüre nie als anstrengend empfunden, sondern sehr genossen. Am Ende des Buches gibt es zudem einen Stammbaum, der die Beziehungen der ProtagonistInnen verdeutlicht, doch ich würde absolut empfehlen, diesen erst nach der Lektüre zu betrachten, da er ansonsten sehr viel der Geschichte vorwegnehmen würde und das wäre enorm schade! Ich finde es aber toll, dass es ihn gibt, denn er visualisiert und rundet die Geschichte für mich ab.
Ein Highlight waren für mich außerdem die Ortsbeschreibungen, die der Autorin so gut gelungen sind, das ich die wilden Felsen Skaras oder die weiten des australischen Outbacks regelrecht gesehen und gespürt habe. Das war richtig toll! Trotz der rund 500 Seiten habe ich diese Geschichte sehr schnell verschlungen und freue mich, trotz des kleinen Kritikpunktes auf Grund der übersinnlichen Elemente (weswegen ich nur 4,5 Sterne vergeben kann) sehr auf Band 2, auf den ich allerdings leider noch ein wenig warten muss…. Aber ich bin sicher, dass es sich lohnen wird!
Ich möchte dieses Buch sehr gerne weiter empfehlen, denn es hat mich in seiner Vielschichtigkeit begeistert, berührt und super gut unterhalten – viel Freude beim Lesen!
Ein tolles Buch – inhaltlich und optisch!
Ich finde das Cover von „Au Revoir und Tschüss“ von Gudrun Lochte sehr ansprechend und wunderschön. Eigentlich ist ja gar nicht so viel zu sehen, aber der teilweise dargestellte Frauenkörper in dem weißen Sommerkleid strahlt für mich ein Gefühl von sommerlicher Leichtigkeit und Nähe aus. Zudem gefallen mir dir Farben sehr und ich finde die Gestaltung insgesamt sehr gelungen. Doch auch das Buch überhaupt ist wirklich eine Augenweise. Nimmt man den Schutzumschlag ab, so erwartet uns LeserInnen ein weiteres, ähnliches, aber doch verändertes Bild auf dem Buchumschlag und ganz begeistert war ich auch von einer durchscheinenden Seite in der Mitte des Buches, die ein sehr ansprechendes Bild zeigt und das Buch noch weiter aufwertet. Nicht zu vergessen ist, dass es auch noch mit Farbschnitt ausgestattet und somit ein attraktives und hochwertiges Gesamtpaket ist.
Und auch die Geschichte hat mich absolut überzeugt. Sie erzählt von Caro, die sich selbst im Trubel des Familienalltags immer mehr verloren hat und die von ihrem Mann und den Söhnen mehr als Haushälterin, denn als Persönlichkeit verstanden wird. Doch dann bricht sie mutig aus der Routine aus und geht nach Frankreich, um einen Sprachkurs zu machen. Wir dürfen sie dort hin begleiten und mit ihr den französischen Süden erkunden, Menschen kennen lernen und ein neues Lebensgefühl finden, in dem Caro auch ihre eigene Stimme wieder zu hören beginnt…
Gudrun Lochte hat mit diesem Buch eine Geschichte geschrieben, die mich vor allem von Anfang an hat mitfühlen lassen. Ich konnte ohne Fremdheitsphase gleich ins Geschehen einsteigen und habe mich Caro sofort sehr nahe gefühlt. Ich habe sie sehr schnell in mein Herz geschlossen und bin unglaublich gerne mit ihr ausgebrochen sowie verreist, doch am allerschönsten war es für mich, dass ich ihre Entwicklung mit verfolgen durfte. Diese ist für meinen Geschmack stimmig und authentisch geschildert, so dass mich diese mit allem Hadern, Zaudern und Freuen wirklich berührt hat.
Der Text liest sich zudem sehr leicht und flüssig, so dass ich regelrecht durch die Seiten geflogen bin und ich wollte Caros Geschichte gar nicht mehr aus der Hand legen, nachdem ich einmal eingetaucht war. „Ein Roman über Sommerlicht und Schatten, über das Gehen und Bleiben – und über die leisen Zwischentöne des Lebens“ steht hinten auf dem Buch und diese Zusammenfassung fängt das Gefühl beim Lesen für mich hervorragend ein. Es gibt nicht die großen Aktionen, Dramen und Spannungen, wohl aber all die Facetten eines Lebens, einer Familienkonstellation und einer langjährigen Ehe. Eben die leisen und eher kleinen Dinge, die uns aber allen mehr oder weniger vertraut sind und die wir als LeserInnen daher auch wunderbar nachfühlen und uns einfinden können. An mancher Stelle hat mich das Buch zum Nachdenken angeregt und es macht Mut – Mut sich selber anzuhören, seine eigenen Bedürfnisse ernst zu nehmen und Mut, die Dinge zu verändern, die nicht mehr passen.
Ernsthafte Auseinandersetzung mit sich selbst und dem Leben, federleichte Sommertage in Frankreich und eine tolle Mischung aus all den Möglichkeiten des Daseins. Für mich ist dieses Buch inhaltlich wie optisch wirklich ein Highlight, denn es hat mich berührt und mir eine tolle Lesezeit geschenkt. Daher empfehle ich es von Herzen gerne all jenen LeserInnen, die Lust auf einen Neuanfang und all das haben, was damit einher geht – viel Freude in Frankreich!
Facetten der Liebe und die Unwägbarkeiten des Lebens
Das Cover von “Die Gesetze von Liebe und Logik“ von Debra Curtis ist sehr interessant. In abgestimmt, homogenem Farbspiel ist ein Paar zusehen, das sich an den Händen hält und das miteinander im Austausch zu stehen scheint. Bei mir hat diese Darstellung gleich viele Fragen geweckt und dazu angeregt, diese Szene ganz genau zu betrachten. Sie lädt ein und macht neugierig, was ich sehr verlockend finde.
Die Geschichte selber erzählt von Lily, die in ihrer Jugend ihre große Liebe findet und sich sicher ist, dass diese für immer halten wird. Doch ein tragisches Erlebnis verändert alles und auch die Beziehung der beiden zerbricht. Jahre später findet Lily ein Zuhause in der Liebe zu ihrem Ehemann, dem Ornithologen Marshall, doch die Erinnerungen und die Sehnsucht nach ihrer Jugendliebe lassen Lily nie ganz los…
Debra Curtis erzählt in diesem Buch keine rosa-rote Liebesgeschichte, die von Schmetterlingen wimmelt, sondern eine Geschichte aus den verschiedensten Facetten dieses großen Gefühls, gepaart mit Verlust, Sehnsucht, den äußeren Einwirkungen auf den Lebensverlauf und begleitet von Beständigkeit, Sicherheit und Leidenschaft. Sie stellt große Fragen und lässt uns LeserInnen sehr intensiv eintauchen in die Antworten, die sich die ProtagonistInnen dieser Geschichte erarbeiten. Die Figuren wirken auf mich authentisch, lebensnah und nahbar. Ich kann mich gut in sie hineinversetzen und durch die Tatsache, dass wir sie über einen langen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten begleiten dürfen, entspinnt sich auch eine unglaubliche Tiefe und Nähe zu ihnen sowie eine faszinierende Entwicklung und Dynamik. Die Charaktere zeigen sympathische Schwächen und Stärken und ich fand es sehr interessant, wie die Familien- und Freundesgemeinschaften sich in dieser Geschichte beeinflussen.
„Die Gesetze von Liebe und Logik“ ist kein lautes und dramatisches Buch, obwohl es durchaus sehr tragische Momente gibt, sondern die Geschichte ist von eher leisen und realistischen Tönen geprägt. Die Autorin zeigt einen Schreibstil, der sich gut lesen lässt, der jedoch zeitweise auf Grund der teils wissenschaftlichen Themen und komplexen Zusammenhängen auch durchaus anspruchsvoll daherkommt. Immer wieder gab es Textstellen, die mich zum Nachdenken angeregt haben und auch außerhalb der Lektürezeiten hat mich die Geschichte – im positiven Sinne - beschäftigt, was ich sehr mag.
Irritiert hat mich dagegen, dass die Jugendliebe von Lily durchweg mit der Umschreibung „der Junge“ betitelt wird und er nie wirklich einen Namen erhält. Mir erschließt sich dieses Vorgehen nicht und zu Beginn fand ich es wirklich befremdlich, mit der Zeit habe ich mich jedoch gut daran gewöhnt und es hat meinen Lesegenuss nicht mehr beeinträchtigt.
„Die Gesetzen von Liebe und Logik“ ist ein beeindruckendes und nachwirkendes Buch, das viele große Fragen aufwirft, zum Nachdenken anregt und eine anregende Lesezeit schenkt. Ich empfehle es sehr gerne weiter und wünsche ganz viel Freude beim Lesen!
Grundlegende Basics und viele anregende Ideen
Das Cover von „Fermentieren- Twist your Taste“ von Nadine Schünemann ist modern und gradlinig gestaltet und gefällt mir sehr gut. Ich kann auf den ersten Blick interessante Fermente entdecken und die lebendigen Farben der Lebensmittel kommen bei dem weißen Hintergrund wunderbar zur Geltung. Genau so ansprechend geht es dann auch in dem hochwertig gebundenen Buch weiter. Die Seiten sind übersichtlich und optisch attraktiv gestaltet, so dass ich mir die Texte gerne näher anschaue, gesuchte Dinge aber auch gut und schnell wieder finden kann. Ergänzt werden die Textbausteine, die in kurze, gut erfassbare Abschnitte gegliedert sind, durch ästhetisch zurückhaltende Fotos. Besonders angetan haben es mir die Bilder zu den Rezepten, die mir einfach sprichwörtlich „das Wasser im Mund zusammen laufen lassen“.
Nadine Schünemann berichtet in diesem Buch aus jahrelanger, eigener Erfahrung mit dem Fermentieren und gibt ihr Wissen in sehr sympathischer Art und Weise an uns LeserInnen weiter. Ich mag es sehr, dass sie viele Basics aufgreift und uns wirklich die Ausgangspunkte an die Hand gibt, um selber aktiv werden zu können. Ich habe bei diesem Buch zum ersten Mal das Gefühl, dass ich mich wirklich selber ans Ausprobieren wagen werde, weil ich viel Wissen zu den Grundlagen erwerben konnte - die auch noch ansprechend daher kamen. Sehr hilfreich fand ich zum Beispiel Erläuterungen dazu, wie ein Ferment aussehen sollte, oder wie eben nicht. Aber mich haben auch die Informationen zum gesundheitlichen Nutzen von Fermenten, zu der Geschichte des Fermentierens und zum Einsatz von fermentierten Lebensmitteln sehr interessiert.
Besonders faszinierend wird es natürlich dann, wenn es in die Praxis geht und da hält die Autorin einen ganzen Schatz an herzhaften sowie süßen Basis-Fermenten bereit und regt dazu an, diese auch experimentell zu nutzen und z. B. als Würzmittel einzusetzen. Im Kapitel „Mix & Match“ werden aber auch verlockende Rezepte „fertig“ angeboten. Z. B. finden sich Frühstücksideen, Drinks, Desserts oder auch Comfort Food. Ich bin absolut überrascht, wie vielfältig sich fermentierte Lebensmittel einsetzen lassen und extrem neugierig darauf auszuprobieren.
Eine schöne Ergänzung für Neulinge wie mich, aber auch eben eingebaute Werbung, ist die Tatsache, dass die Autorin mit der Marke „Lieblingsglas“ einen eigenen Verkauf von Zubehör betreibt. Ich werde mich auf ihrer Seite noch mal genauer umschauen, denn als Anfängerin fühle ich mich mit dem Gedanken sehr wohl, dass ich mit den Produkten arbeiten kann, die auch im Buch beschrieben werden.
„Fermentieren“ hat mich mit der Fülle der Informationen und mit einer sehr ansprechenden, sowie kompetent wirkenden Vermittlung, absolut überzeugt und ich freue mich wahnsinnig darauf, in dieses spannende Metier einzusteigen. Ich empfehle dieses Buch sehr gerne weiter und wünsche viel Spaß beim Ausprobieren!
Ein kunstvoll sinnliches und berührendes Erlebnis
Das Cover von Lucy Steeds` “The Artist” ist wunderschön! Ich liebe die Gestaltung, die aus dem impressionistisch anmutenden Lavendelfeld, der Farbschicht mit den Pinselspuren und dem Text besteht. Für meinen Geschmack harmoniert sie wunderbar miteinander und passt auch ausgesprochen gut zur Geschichte. Zudem wirkt die Farbgestaltung real zum Glück überhaupt nicht so grell wie am Bildschirm.
Erzählt wird die Geschichte von dem jungen Journalisten Joseph, der die Möglichkeit erhält den zurückgezogen lebenden und abweisenden Künstler Edouard Tartuffe zu interviewen. Als er bei ihm eintrifft, ist der jedoch wenig begeistert und alles entwickelt sich anders als gedacht, doch Joseph bleibt und lernt auch Ettie, die Nichte des Künstlers kennen, die noch weit mehr Geheimnisse birgt und bewahrt als das eigentliche Objekt seiner Recherche. Immer tiefer taucht er in dieses ganz andere Leben ein und legt Schicht um Schicht aus Geheimnissen und Verständnis frei…
„The Artist“ ist Lucy Steeds` Debüt und das ist wirklich fulminant und absolut einnehmend – mich hat es jedenfalls rundum begeistert! Schon der Einstieg ins Buch aus dem Jahr 1957 hat mich so neugierig gemacht und gefangen genommen, dass ich das Buch danach gar nicht mehr gerne aus der Hand legen wollte. Die Autorin erzählt die Geschichte aus verschiedenen Perspektiven und so können wir LeserInnen sowohl Joseph, als auch Ettie wunderbar nah kommen, mit ihnen fühlen und ihre Beweggründe verstehen. Dabei gelingt es der Autorin meisterhaft im Laufe der Geschichte eine unterschwellige aber zunehmende Spannung aufzubauen, die mich wirklich durch die Seiten gezogen hat, da ich unbedingt wissen wollte, wie es weiter geht und was geschieht. Doch im Grunde ist es eine leise und feine Geschichte. Wer „Action“ sucht ist hier an der falschen Adresse, doch wer den gleißend heißen Sommer auf der Terrasse und im Atelier eines begnadeten Künstlers in Frankreich verbringen möchte, der ist hier an genau richtig.
Ich kann mich nicht daran erinnern, dass ich schon einmal ein Buch gelesen hätte, das eine Geschichte so sinnlich und so intensiv erzählt hätte, wie es in „The Artist“ der Fall ist. Die Beschreibungen der entstehenden Bilder sind so gut, dass ich das Gefühl hatte, die Farbschichten sehen, das Terpentin riechen und den Pinsel über die Leinwand kratzen hören zu können. Genau so verhielt es sich mit der flirrenden Hitze über den Feldern Frankreichs und den Lebensmitteln, die Lucy Steeds in Haptik, Geruch und Geschmack lebendig werden lässt – unglaublich toll!
Je weiter die Geschichte fortschreitet, desto besser dürfen wir die beiden Hauptcharaktere kennen lernen und erfahren in Rückblicken auch immer mehr aus ihrem Leben, was ihre Verhaltensweisen und Gefühle so nachvollziehbar macht, dass ich ganz eintauchen konnte. Die beiden sind sehr unterschiedlich, aber individuell und stimmig gezeichnet und ich habe sie beide schnell ins Herz geschlossen. Der Künstler Edouard Tartuffe ist unglaublich präsent und er beherrscht die Geschichte in weiten Teilen, was wunderbar zu seiner Charakterdarstellung und der Atmosphäre der Geschichte passt. Es gibt so viele Besonderheiten und wundervolle Momente in der Geschichte, dass ich am liebsten von ihnen allen erzählen möchte, aber ich will natürlich nicht zu viel vorweg nehmen, sondern lieber dazu ermutigen, diese Geschichte selber zu entdecken – es lohnt sich absolut!
Denn „The Artist“ ist eine wundervolle und außergewöhnliche Geschichte, die mich sehr beeindruckt und tief berührt hat. Künstlerisches Genie, Grausamkeit, Liebe, Natur, menschliche Stärken und Schwächen, Freiheit und Sehnsucht bilden hier eine Symbiose, die den Weg mehrere Leben nachzeichnen und uns LeserInnen mitnehmen, in einen ganz eigenen Kosmos. Ich bin wirklich Fan und empfehle das Buch von Herzen gerne weiter!
Ein Buch, das bleibt und beeindruckt!
Das Cover von „Ein Ort, der bleibt“ von Sandra Lüpkes liebe ich sehr! Es ist sowohl bildlich, als auch in der Gesamtgestaltung absolut nach meinem Geschmack und es versprüht mit all den Pflanzen im Gewächshaus eine Atmosphäre, die mich sofort in ihren Bann zieht und die mich dazu verleitet, das Buch unbedingt lesen zu wollen.
Und wer diesem Ruf folgt, wird von einer ganz besonderen Geschichte empfangen:
Sie erzählt von einem ganz außergewöhnlichen Ort mitten in einer Metropole – dem botanischen Garten von Istanbul! Unzählige Pflanzen gedeihen hier, aber auch die Schicksale von ganz besonderen Menschen verbinden sich auf diesem Fleckchen Erde zu einer Geschichte. Denn 1933 kommt Magda mit ihrem jüdischen Mann und Wissenschaftler Alfred Heilbronn nach Istanbul und er legt diesen Garten an. Darin arbeitet und forscht Mehpare. Und viele Jahre später, in der heutigen Zeit, wird Imke an diesen Platz geschickt und soll als Stadtplanerin mit darüber entscheiden, wie die Zukunft dieses Ortes aussehen wird.
Sandra Lüpkes hat mich von der ersten Seite an gefesselt und mir mit diesem Buch eine sehr intensive und berührende Lesezeit geschenkt. Es ist eine leise Geschichte, die ohne Drama und Gewese von ganz „normalen“ Menschen erzählt und genau dadurch aber eine unglaubliche Tiefe, Authentizität und Intensität erreicht. Ich konnte mich, trotz der ganz anderen Lebensumstände der ProtagonistInnen, wunderbar in ihre Gefühle und Erlebnisse hinein versetzen, durfte mitfühlen und dem Fortgang der Geschichte entgegen fiebern. Ich war so eingetaucht in das Geschehen, dass mich die Handlung oft auch außerhalb der Lesezeiten stark beschäftigt hat und ich mich immer wieder dabei erwischt habe, dass ich über die Menschen im Buch und ihre Erlebnisse nachgedacht habe. Schön!
Erzählt wird die Geschichte in sehr angenehmer und flüssiger Sprache, die das Lesen leicht macht und durch die Kapitel auf den unterschiedlichen Zeitebenen und aus der Sicht verschiedener Charaktere, durfte ich diesen und dem Geschehen sehr nah kommen. Mir hat das ausgesprochen gut gefallen und es hat die Intensität des Lesererlebnisses noch einmal erhöht. Ganz besonders Anregend waren für mich auch viele Themen, denn mir war zum Beispiel bisher überhaupt nicht bewusst, dass damals deutsche Wissenschaftler in die Türkei berufen wurden und somit dem Holocaust entgehen konnten. Dabei gelingt es der Autorin meisterhaft historische und fiktive Inhalte zu einer Geschichte zu vereinen, die auch aktuelle Themen aufgreift und zum Nachdenken einlädt, die aber auch einfach wunderbar unterhält und berührt.
Die herrlich feinsinnigen und detaillierten Beschreibungen von Umgebungen und Situationen ließen Bilder in meiner Fantasie entstehen und entführten mich an genau die Orte, an denen sich die ProtagonistInnen befanden. Und auch, wenn der Roman in Zeiten spielt, die die Menschen vor große Herausforderungen stellen, so schafft es Sandra Lüpkes, dass der Geschichte eine gewisse Leichtigkeit und Hoffnung nie verloren geht. Etwas ganz besonderes wird dieses Buch dann dadurch, dass viele Situationen und Charaktere reale Vorbilder haben und die Autorin im Anhang eine Einordnung dazu abgibt, welche Inhalte historisch belegt und welche fiktiv eingearbeitet worden sind. Dies ist für mich eine hervorragende Abrundung der Geschichte und auch die Kurzbiografien der historischen Persönlichkeiten habe ich mit Freude und Interesse gelesen.
Dieses Buch ist prall gefüllt mit dem Leben an sich, mit lebensnahen und doch so besonderen Menschen und mit vielen Emotionen. Es ist authentisch, berührend und fesselnd, eine tolle Unterhaltung, aber auch eine ganz besondere Erinnerung – Ich bin begeistert und absolut überzeugt, weshalb ich „Ein Ort, der bleibt“ von Herzen gerne weiter empfehlen möchte! Viel Freude beim Lesen!
Anders als erwartet…
Mir gefällt das Cover von „Mirabellentage“ sehr gut, denn es bildet gestalterisch eine wunderbare Einheit mit dem Titel des Buches und ich mag die Darstellung der Früchte sehr.
Erzählt wird die Geschichte von Anna, die als Haushälterin für den Pfarrer des Ortes arbeitet. Als dieser verstirbt, stellen sich ihr plötzlich ganz unerwartete und neue Aufgaben und die Frage, wie sie ihr weiteres Leben verbringen möchte.
Auf „Mirabellentage“ habe ich mich sehr gefreut, denn ich wollte „Mühlensommer“ von der Autorin schon lange gerne lesen, bin aber irgendwie nie dazu gekommen. Doch an Hand der Buchbeschreibung hatte ich ehrlich gesagt eine andere Geschichte erwartet, als die, die ich im Buch vorgefunden habe und ich muss auch gestehen, dass einige Dinge leider nicht meinem Geschmack entsprechen.
Martina Bogdahn erzählt in flüssiger Sprache, so dass das Lesen mühelos ist und wirklich Spaß macht. Sehr gefallen hat mir zudem, dass die Hauptprotagonistin Anna aus der Ich-Perspektive erzählt, denn so hatte ich das Gefühl, dass ich ganz nah an sie heran kommen darf beim Lesen. Sehr ambivalent stehe ich jedoch teilweise der Erzählweise und vor allem dem Humor der Geschichte gegenüber. Dieser wirkt für mich in vielen Fällen leider nicht stimmig, sondern eher zu „gewollt“ oder aufgesetzt und teilweise auch wirklich deplatziert. Das hat der Geschichte für mein Empfinden leider wirklich geschadet, denn es zerstörte die eigentlich tolle Atmosphäre des Buches. Außerdem gab es auch humorig aufgearbeitete Szenen, die für mein Empfinden wirklich eher geschmack- und respektlos waren statt lustig.
Die Handlung spielt in einer Gegenwart der nicht allzu fernen Vergangenheit, sie schaut aber auch immer wieder auf Ereignisse und Begebenheiten zurück, die weiter zurück liegen. Mir hat diese Mischung grundsätzlich sehr gut gefallen, mit der Zeit häuften sich die Rückblicke jedoch immer mehr und störten damit - in meiner Empfindung – teilweise den Fluss der Geschichte. Andererseits habe ich als Leserin durch die Rückblenden auch wirklich viel über die Charaktere und das Ortsleben erfahren dürfen und das hat mir sehr gefallen.
An einigen Stellen der Geschichte habe ich mich über sehr weise Aussagen gefreut und Martina Bogdahn ist es auch immer mal wieder gelungen sehr tiefgründige Gespräche oder Szenen einzubauen, die mich erreichen konnten und die mir sehr gefallen haben. Auch die Haushälterin Anna mag ich sehr. Sie ist ein starker, aber auch zweifelnder und vielschichtiger Charakter, der mir wirklich gut gefallen hat.
Alles in allem muss ich leider sagen, dass diese Geschichte meine Erwartungen nicht erfüllen konnte und ich mit zwiegespaltenem Gefühl zurück bleibe. Für mich gibt es wirklich gut gelungene Elemente der Geschichte, aber eben auch leider Dinge, die meinem Geschmack überhaupt nicht entsprechen, weshalb ich leider nur 3 Sterne vergeben kann.
Dänische Schmetterlinge und die Fragen des Lebens
„Das Jahr der Schmetterlinge“ von Lea Korsgaard wird von einem Cover geschmückt, das mir sehr gut gefällt, wenn die Farben für mich auch gerne im natürlicheren Bereich hätten bleiben können. Doch der pinkfarbene Titel ist auf jeden Fall ein Blickfang und in die bunte Welt der Falter passt auch diese Farbe natürlich wunderbar. Doch nicht nur außen ist dieses Buch schön – im Inneren erwarten uns LeserInnen in unregelmäßigen Abständen wundervolle Farbseiten mit kunstvoll gestalteten Bildern von den Schmetterlingen, die die Autorin entdeckt hat.
Denn Lea Korsgaard nimmt uns in diesem Buch mit auf eine ganz besondere Reise. Vollkommen unerfahren und ohne eine Ahnung, warum sie diesen Wunsch hat, setzt sie sich das Ziel, dass sie in einer einzigen Saison alle heimischen Schmetterlinge auf dänischem Boden entdecken möchte. Zunächst recht planlos, dann mit immer mehr Unterstützung, macht sie sich auf die Suche und tauchte dabei in eine ganz eigene Welt ein.
Dieses Buch hat mich in die Welt der Schmetterlinge entführt und mir auf unterhaltsame, leise Art und Weise einiges über diese geflügelten Wesen und ihre Lebensweisen beigebracht ohne anstrengend zu sein. Der Text liest sich wirklich angenehm und neben der Suche nach den Schmetterlingen, lässt uns die Autorin auch an ihrem Familienleben sowie ihren Gedanken rund um viele Fragen des Seins teilhaben. Ein sehr elementares Thema ist dabei auch der Naturschutz bzw. der dramatische und gefährliche Rückgang so vieler (Insekten-)Arten. Sie ist überhaupt keine Fachfrau und stellt auch keinerlei dahingehenden Ansprüche, sondern vermittelt eigene Erfahrungen und Erkenntnisse auf sehr persönliche Weise, was mir sehr gefallen hat. Immer wieder schaut sie auch auf die Geschichte des Menschen mit den Schmetterlingen und erläutert im Zuge dessen z. B. mythologische, religiöse oder poetische Zusammenhänge, was ich sehr interessant fand.
Nicht so glücklich war ich dagegen mit dem Ende des Buches, das mir viel zu abrupt daher kam und das mich leider etwas unbefriedigt zurück gelassen hat. Ohne zu viel verraten zu wollen, hätte ich mir am Ende einen runden Abschluss gewünscht, der hier für meinen Geschmack fehlte.
„Das Jahr der Schmetterlinge“ ist ein außergewöhnliches Buch, das ein besonderes Projekt mit vielen sachlichen Informationen, aber auch mit vielen persönlichen Erlebnissen, Gedanken und Einblicken kombiniert und das Umweltschutzfragen genau so thematisiert, wie eigene Wünsche und die großen Fragen des Lebens. Ein Highlight sind für mich auf jeden Fall die Bildseiten mit den Schmetterlingen im Inneren und ich empfehle dieses Buch sehr gerne allen aufgeschlossenen LeserInnen, die auf der Suche nach etwas Besonderem sind – viel Freude beim Lesen!
Beeindruckend und berührend – eine besondere Entdeckung
„Elbland“ von Claudia Rikl hat mich sehr begeistert und auch das Cover dieses Buches mag ich sehr gerne. Einen direkten Zusammenhang mit der Geschichte kann ich zwar nicht erkennen, aber ich die natürliche Gestaltung in Grün- und Brauntönen mit den leuchtend gelben Blumen ist unglaublich kraftvoll und schön. Dazu passen Titel und Autorinnenname hervorragend und es ergibt für mich ein stimmiges, sehr schönes Gesamtbild, das zum Lesen einlädt.
Erzählt wird die Geschichte von Nina, die sich nach dem Tod der Mutter plötzlich völlig verloren fühlt. Jahrelang hatte sie sich um diese gesorgt und gekümmert, sich immer nach Freiheit gesehnt, doch nun kann sie diese überhaupt nicht annehmen. Spontan fährt sie ins Riesengebirge, wo die Familie vor vielen Jahren ihren letzten gemeinsamen Urlaub verbrachte und versucht auf den Spuren ihrer Mutter, die dort geboren wurde, zu ergründen, was diese erlebt hat und warum ihre Familie auseinander brach. Kann sich Nina der Vergangenheit stellen und auch herausfinden, wer sie selber eigentlich ist?
Claudia Rikl ist es in diesem Buch, das von ihrer eigenen Familiengeschichte inspiriert wurde, gelungen, mich völlig zu fesseln und in ihren Bann zu zeihen. Ich kannte die Autorin bisher nicht, wurde aber vom Klappentext angezogen und habe mich sofort in die feine, poetische und teils wunderschöne Sprache dieser Geschichte verliebt. Ich mag ihre Art zu erzählen ausgesprochen gerne und habe auch Nina sehr schnell in mein Herz geschlossen. Die ProtagonistInnen der Geschichte wirken auf mich sehr authentisch und werden individuell gezeichnet, was sie lebendig und lebensnah macht. Ich konnte ihre Zerrissenheit, ihre Trauer, ihre Verlorenheit und das Unverständnis beim Lesen so gut spüren, genau, wie all die anderen Gefühle, die in dieser prallen Geschichte eine so wichtige Rolle spielen.
Die Autorin macht es ihren Figuren nicht leicht, sondern lässt sie all das Leben, all die Gefühle, all die Vergänglichkeit aushalten, durchkämpfen und durchleiden. So ist es auch für uns LeserInnen nicht immer leicht die Geschehnisse auszuhalten, aber es lohnt sich absolut und mich hat diese Tiefe sehr begeistert. Aber es geht bei Weitem nicht nur um Schwieriges und Belastendes und es ist wunderschön Nina in ihrer Entwicklung begleiten zu dürfen. Claudia Rikl erzählt auf zarte und leise weise, verpackt darin jedoch Großes, Persönliches und Geschichtliches, das auch heute (wieder) sehr relevant ist. Zusätzlich zu all der Lesefreude habe ich so auch von Umständen im damaligen Böhmen erfahren, die mir bisher nicht bekannt waren und konnte dazu lernen, was ich als sehr bereichernd empfunden habe.
Berührt hat mich außerdem die Widmung des Buches, die insbesondere an die Großmutter der Autorin geht und die mit einem Foto dieser Frau geziert wird. Der persönliche Bezug ist in diesem Werk sehr gut zu spüren und vielleicht macht das auch einen Teil der Intensität der Geschichte aus. Für mich ist „Elbland“ jedenfalls eine ganz besondere Entdeckung, die mich tief berührt hat und auch sicherlich nachklingen wird. Ich empfehle dieses Buch von Herzen allen LeserInnen, die sich mit Nina auf die Reise machen wollen – in die Vergangenheit ihrer Familie und zu sich selbst! Viel Freude dabei!
Trude Teiges erstes Buch – einfach wunderbar!
Das Cover von Trude Teiges neuem Buch „Der Gesang der See“ gefällt mir sehr gut, denn ich liebe das maritime Bild darauf sehr und in Kombination mit dem Titel und den anderen Angaben ergibt sich eine wunderbare Einladung, um das Buch lesen zu wollen.
Erzählt wird die Geschichte von der jungen Kristiane, die mit ihrer Familie auf einer kleinen Fischer-Insel an der norwegischen Westküste lebt und die ihrem Vater verspricht, den Lotsenposten, der seit Generationen in der Familie gehalten wird, auch weiterhin zu erfüllen. Doch als ihr Mann stirbt und sie als Frau keine Schiffe geleiten darf, gerät ihr Versprechen in Gefahr und sie muss für ihre Zukunft schwerwiegende Entscheidungen treffen…
Eigentlich ist es nicht richtig, dass ich zu Beginn über Trude Teiges „neues“ Buch gesprochen habe, denn bei „Der Gesang der See“ handelt es sich eigentlich um ihr erstes Buch, das bisher allerdings nicht in Deutschland veröffentlicht worden war. Qualitativ steht diese Geschichte der „Großmutter-Reihe“ meiner Meinung nach jedoch in nichts nach, denn auch hier gelingt es der Autorin meisterhaft eine unglaubliche Tiefe und einen Sog in der Geschichte zu verorten, die mich regelrecht in das Geschehen hinein zieht. Ich durfte sehr intensiv mit den ProtagonistInnen fühlen (vor allem mit Kristiane) und finde sie authentisch sowie stimmig individuell gezeichnet. Das Inselgefüge mit all seinen Eigenheiten und bunten Charakteren wird wunderbar lebendig beschrieben und auch die Landschaft konnte ich mir beim Lesen sehr gut vorstellen. Zudem fand ich sehr interessant in eine ganz andere Zeit und mir unbekannte Welt eintauchen zu dürfen, die so eindringlich beschrieben und zum Leben erweckt wurde.
Irgendetwas an der Stimme dieser Geschichte empfinde ich trotzdem als ganz anders, als in den Geschichten der Großmutter-Reihe, ich kann jedoch leider nicht benennen, was das ist und dieses Empfinden nehme ich auch überhaupt nicht negativ war – „Der Gesang der See“ ist einfach eine ganz andere Geschichte, die aber absolut genau so lesenswert und wunderbar ist, wie die anderen Bücher von Trude Teige und ich freue mich sehr darauf, dass es ab August 2026 ein weiteres Buch geben soll, das die Geschichte rund um Kristina weiter erzählen wird.












