Wohin das Herz mir geht

Wohin das Herz mir geht

Auf dem 200 km langen Jean-Paul-Weg durch Oberfranken

von Hilde Zielinski

E-Book
759 Seiten; ab 12 Jahre
2019 Books on Demand
ISBN 978-3-7460-8269-1

5.49 EUR
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Kurztext / Annotation
"Er hat uns mit Worten zu sich gewunken", so beschreibt Hilde Zielinski die wundersame Begegnung. Auf einem Weg bei Bayreuth stand Schrifttafel 107, mit einem Zitat von Jean Paul. Nur ein paar Sätze, ein wenig schwer zu lesen, vielleicht, doch die kurze Geschichte ging tief hinein. Wer ist denn Jean Paul? Die Frage wurde immer größer. "Ein Dichter, aber ein Franzose ist er nicht", das wusste ihr Mann Peter gleich. Es fand sich heraus, es gibt einen Jean-Paul-Weg mit 161 Stationstafeln. Von Hof bis nach Bayreuth und weiter. Vor allem durch das Fichtelgebirge bis nach Arkadien, wie es heißt. 200 Kilometer durch die von Jean Paul so geliebte Heimat. Jean Paul, eigentlich Johann Paul Friedrich Richter, wurde 1763 in Wunsiedel geboren und starb 1825 in Bayreuth. Seinerzeit war er berühmter als Goethe. Nicht umsonst. Im Sommer 2012 machte sich Hilde Zielinski auf, mit Mann Peter und Pudel Fidel, den ganzen Weg zu gehen. Und fürwahr, er ist umsäumt von hinreißend anmutigen Aussichten. Links und rechts erscheinen Schlösser, Felsen, Bäche, Flüsse, Seen und Moore wie Traumwelten. Eine seelenerquickende Fußreise, frei nach Jean Pauls Rezept "Heiterkeit und Freude". "Wohin das Herz mir geht" ist nicht nur eine bewegende Geschichte mit viel warmen Witz, sondern auch ein reichhaltiges Begleitbuch für Nachwanderer. Und ganz nebenbei eine leicht verständliche Einführung in die Welt und das Leben des Dichters Jean Paul. Eine wunderschöne Ferienlektüre.

Sie wurde 1956 im Bahnhof des Hunsrückörtchens Kell am See geboren, studierte Sozialarbeit in Aachen, lebte in Kalifornien und versuchte in der Eifel ein ökologisch-autarkes Dasein, das scheiterte. Es folgte das Studium der Theaterwissenschaft in Erlangen und die Arbeit als freie Filmemacherin. Mit ihrem Mann und Kameramann Peter Zielinski produzierte sie Dokumentationen für alle öffentl.-rechtl. TV-Sender, Greenpeace und umfangreiche Filme über das Thema "Stottern". Einige ihrer Werke erhielten nationale und internationale Auszeichnungen. Schon seit 1980 malt und schreibt sie. Wie das Bilderbuch: "Für immer Eddi und Josef" Aus dem Leben der kleinen Mechaniker in der Glücksschaltzentrale über uns im Himmel. Eine wahre Geschichte. Für Menschen von 6 bis 99 Jahre. Oder das Wandertagebuch: "Wohin das Herz mir geht" Auf dem Weg des großen Menschendichters Jean Paul. Eine Art Reisebericht. Mit Fotos von Peter Zielinski. Mehr unter www.jeanpaulweg.com. Hilde Zielinski lebt heute im thüringischen Ronneburg, im Land der Pudel, direkt neben glücklichen Hühnern und einem stolzen Gockel. www.hildezielinski.de

Textauszug
1. Im immerwährenden Zuhause von Jean Paul

Jean Paul als Figur im Jean-Paul-Museum in Joditz, mit seinem glühenden Verehrer Marco auf dem Kanapee.

Joditz - Start der ersten Etappe - Ankunft in Vordorf.
Es ist Montag, der 6. August, Abend, halb zehn. Wir sind jetzt in unserer Ferienwohnung in dem kleinen Dorf bei Tröstau. Die kleine Bleibe liegt unter dem Dach und kostet auch nicht viel. Die Wirtin hier ist so warmherzig. Bei der Begrüßung stand sie da, plauderte oberpfälzerisch klingend voller Heiterkeit drauf los, als ob wir zur Familie gehörten. Ich hatte das Gefühl, dass sie Peter gleich über die Wange streichen würde

Dann stiegen wir Stufe für Stufe die Treppen nach oben in unsere Kindheit zurück. Im ganzen Haus wurden die 70er Jahre liebevoll konserviert. Es duftet nach geborgenem Sauberzauber. Alles ist reichlich geschmückt. Offensichtlich wurde im Laufe der Jahre jedes Geschenk in die Wohnung gestellt und gehängt, egal ob es hinpasste oder nicht, so wie man es mit Geschenken halt macht. Bei mir zu Hause war das auch so. Jetzt sind meine Eltern lange tot, ihr Haus verkauft. Mittlerweile mag ich modernes Design kaum noch, macht mich nicht mehr glücklich. Aber hier? Teppichboden, Nut- und Federbretter, Badezimmergarnitur aus Frottee, Plastikblumen, unverwüstliche Bromelien auf den Fensterbänken, bunte Tapeten, das ist Daheim-Gefühl und Ferien. Fehlt nur noch ein großes Puzzle. Die Küche ist neu und ganz klein. Wir kommen gut zurecht. Nichts ist überflüssig. Die Dusche ist jedoch so eng in die Dachschräge eingearbeitet, dass sie mir für Peter unbezwingbar scheint. Wir werden sehen.

Heute greifen wir zum Feierabend noch auf Aldi-Bier zurück. Morgen gibt es etwas besseres, denn die Schwägerin des Hauses hat gleich nebenan einen Flaschenbierhandel. Pudel Fidel knabbert gerade an seinem Schweineohr, im Sessel, den wir als den Seinigen deklariert und mit der Hundewunderdecke, die rätselhafterweise nie schmutzig wird, ausstaffiert haben. Ich sitze auf dem Sofa, bin vom Tage platt. Draußen regnet es. Auf dem Blechdach prasseln die Tropfen herrlich laut. Blechdächer kann man hier häufig sehen und sind kein Zeichen von Armut, wie mir Peter erklärte. Er weiß es, denn er ist der Sohn eines Dachdeckers.

Das nasse Wetter beunruhigt uns gar nicht. Laut Vorhersage wird es morgen aufhören und zum Wandern könnte es dann kaum besser sein: trocken, teils heiter, teils wolkig, nicht zu heiß. Peter zappt durchs Fernsehprogramm, aber es kommt nichts. Ich sage ihm, er soll bei "Tine Wittler" bleiben. Ein leichtes Laber-Programm im Hintergrund ist gut. Aber so leicht ist das auch nicht mehr, muss ich feststellen. Frau Wittler richtet jetzt ganz arme Menschen ein. Die Fälle werden immer extremer. Dieses Mal vom Plumpsklo zum Luxusbad. Soviel Mißbrauch von Leid vertrage ich heute nicht. Dann lieber Olympiade in London.

Irgendwie habe ich mir den Rücken verrissen, das Atmen tut weh. Eine Schmerztablette muss helfen. Da, jetzt springt Fidel vom Sessel auf und läuft zu seinem Napf. Er frisst! Oh Freude! An fremden Orten braucht er manchmal Tage bis er wieder richtig frisst. Demnach ist auch er hier zuhause angekommen.

Jetzt kann ich mich ganz auf meine Aufzeichnungen konzentrieren: Auf den Ort Joditz waren wir heute nachmittag sehr gespannt. Hier beginnt der Jean-Paul-Weg und hier ist das jeanpaulste Jean-Paul-Museum, wie es im Internet heißt. Vor allem hat Jean Paul hier die glücklichste Zeit seines Lebens verbracht. Jean Paul, zu dieser Zeit war er noch der kleine Johann Paul Friedrich Richter, der Sohn des Pfarrers, der "Pfarrersfritz". Hier ist er einem ganz nah, so wie alles in Joditz nah beisammen ist. Die Kirche, in der der Vater Pfarrer war, gleich dahinter das Pfarrhaus, in dem Fritz aufwuchs, dann der Bauernhof gegenüber, aus dem die kleine Auguste Römer stammte, seine erste große Liebe, in Sichtweite der Pfarrgarten, in d

Beschreibung für Leser
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